Zwischen Vision und Praxis: Baltic’s Past & Future holt das Neue Europäische Bauhaus nach Kiel

Bericht

Mit dem Projekt Baltic’s Past & Future waren wir am 18. und 19. Juni 2026 auf dem Waterkant Festival 2026 auf dem MFG-5-Gelände in Kiel-Holtenau vertreten. Ziel war es, die Initiative „New European Bauhaus“ (NEB) und ihre Inhalte in der Öffentlichkeit bekannt und für Bürger*innen greifbar zu machen. Das Festival, das als norddeutscher Treffpunkt für Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Zukunftsfragen gilt, bot den passenden Rahmen dafür, sich im regionalen Kontext auszutauschen und zu vernetzen.

Waterkant Festival: Leute stehen an einer Outdoor-Ausstellung. Einige unterhalten sich, andere lesen informative Banner.

Der Hintergrund: Was ist das Neue Europäische Bauhaus?

Die 2020 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufene Initiative „New European Bauhaus“  (NEB) bildet die kulturelle und gestalterische Ergänzung zum „European Green Deal". In Anlehnung an das historische Bauhaus von 1919 verbindet der moderne Ansatz den sozial-ökologischen Wandel mit der Gestaltung unseres Lebensumfelds. Die Initiative ruht auf drei gleichwertigen Säulen:

  • Nachhaltigkeit: Förderung von Kreislaufwirtschaft, Klimazielen und Biodiversität.
  • Inklusion: Sicherung von Barrierefreiheit, Bezahlbarkeit und demokratischer Teilhabe.
  • Ästhetik: Steigerung der Lebensqualität und Berücksichtigung kultureller Aspekte jenseits reiner Funktionalität.

Für die Transformation in Schleswig-Holstein wirft dies konkrete Fragen auf: Wie lässt sich urbaner Leerstand ökologisch sinnvoll, sozial gerecht und gleichzeitig ästhetisch beleben? Hier setzt unser Projekt Baltic’s Past & Future an. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Danzig (Polen), Aizpute (Lettland), Vilnius (Litauen), Pori (Finnland), Aarhus (Dänemark) und Tallinn (Estland) wollen wir die NEB-Werte jeweils lokal verankern und die Bevölkerung in Stadtentwicklungsprozesse einbeziehen.

Bestandsaufnahme und Partizipation: Baltic’s Past & Future beim Waterkant Festival

In Kooperation mit der Tiny Design School, ein Projekt des DLC Art Lab der Muthesius Kunsthochschule Kiel, bauten wir beim Waterkant Festival 2026 einen interaktiven und informativen Stand auf. Ziel war es, ein differenziertes Bild der aktuellen Wahrnehmung des Themas zu erhalten und mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Eine digitale Umfrage zeigte, inwieweit das Thema „Neues Europäisches Bauhaus“ in der Bevölkerung bereits präsent ist und welche Assoziationen der Begriff „Bauhaus“ beim ersten Lesen/Hören bei den Teilnehmenden auslöst. Die Antworten dokumentierten den aktuellen Informationsbedarf und halfen bei der Vorbereitung und Umsetzung für die nachfolgende inhaltlichen Arbeit sowie für unsere Session am zweiten Veranstaltungstag.

Zudem konnten sich die Besucher*innen an einer geografischen Karte Kiels austoben und potentielle Dritte Orte – also öffentliche und kostenfreie Orte abseits von Wohn- und Arbeitsplatz – markieren und nach positiven und/oder negativen Kriterien im Sinne der NEB Initiative bewerten (nachhaltig vs. nicht nachhaltig, inklusiv vs. nicht inklusiv, ästhetisch vs. nicht ästhetisch). Das entstandene Fadennetz diente als Visualisierung der Wahrnehmung der Kieler Stadtlandschaft und markiert für uns konkrete städtebauliche Problemzonen und Potenziale.


Praxisnahe Erprobung: „New European Bauhaus!? Der Weg zur nachhaltigen, inklusiven und ästhetischen Stadt“ – Session mit Heike Stockhaus

Am zweiten Festivaltag sollte die Theorie in einer Session mit der erfahrenen Kuratorin Heike Stockhaus in die Praxis umgeführt werden. Durch ihre jahrzehntelange Arbeit für die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg und die Entwicklung partizipativer Vermittlungskonzepte brachte sie Erfahrung und Wissen zur Gesellschaftsgestaltung durch Kunst und Kultur ein. Teilnehmende bekamen die Möglichkeit in die Rolle von Stadtplaner*innen zu schlüpfen und zwei fiktive, vernachlässigte urbane Räume in Dritte Orte umzuwandeln. In Kleingruppen wurden Ideen und erste Entwürfe zur Revitalisierung geschaffen.


Ausblick: Von der Sensibilisierung ins Handeln

Unsere zweitägige Präsenz auf dem Waterkant Festival bildete den Auftakt für die erste Projektphase von Baltic’s Past & Future, die primär der Sensibilisierung dient.

Für den Herbst 2026 bereiten wir das nächste Folgeevent in Kiel vor. Während beim Festivalauftakt die Bestandsaufnahme und der Informationsaustausch im Vordergrund standen, soll die kommende Veranstaltung den gezielten Dialog zwischen Denkmalschutz, Architektur, Kunst, Zivilgesellschaft und der Kommunalverwaltung vertiefen.

Du bist erfahren in dem Thema nachhaltige, soziale Stadtentwicklung, hast bereits einmal ein Projekt mit Stadtplanungsfokus durchgeführt oder hast die Motivation und die Zeit, etwas zu verändern? Du hast eine Idee und/oder ein Netzwerk, das unbedingt von unserem Projekt gehört haben sollte? Dann zögere nicht, schreibe uns stattdessen eine Mail an stjern@boell-sh.de.

Weiterführende Informationen zu den kommenden Veranstaltungen, Zwischenergebnisse und Beteiligungsmöglichkeiten finden sich fortlaufend auf der Projektseite zu Baltic’s Past & Future.

Das Projekt „Baltic's Past & Future“ zielt darauf ab, die Werte des „New European Bauhaus“ (NEB) – Nachhaltigkeit, Inklusion und die ästhetische Gestaltung in der nachhaltigen Stadtentwicklung auf lokaler Ebene zu verankern. Im Fokus steht dabei die aktive Bürger*innenbeteiligung bei der Erarbeitung von Konzepten für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung. An dem Vorhaben sind sieben europäische Städte beteiligt: Kiel (Deutschland), Danzig (Polen), Aizpute (Lettland), Vilnius (Litauen), Pori (Finnland), Aarhus (Dänemark) und Tallinn (Estland). Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt und unterteilt sich in eine Sensibilisierungsphase (2026) sowie eine Phase der konkreten Mitgestaltung (2027).

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