Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein aktiver Prozess. Unter dem Leitthema „Under Pressure – Demokratiebedrohung. Loyalität als Haltung in unsicheren Zeiten“ versammelten sich am 23. Januar 2026 zahlreiche Kolleg*innen, Freund*innen und Weggefährt*innen der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein im Kieler Anscharpark. Der diesjährige Konvent bot Raum für kritische Reflexion, neue Impulse und intensive Vernetzung im Atelier- und Coworkhaus.
Keynote: Loyalität als demokratische Praxis (Maike Weißpflug)
Ein Höhepunkt war die Keynote der Politikwissenschaftlerin Maike Weißpflug. Aufbauend auf ihrem Werk „Hannah Arendt. Die Kunst politisch zu denken“ und aktuellen Diskursen (u.a. im Deutschlandfunk) beleuchtete sie Loyalität nicht als blinden Gehorsam, sondern als bewusste demokratische Haltung.
In einer Zeit, in der Institutionen und der Rechtsstaat zunehmend unter Druck geraten, ist Loyalität laut Weißpflug die Entscheidung, „hier zu bleiben“ und die Situation durch Mitgestaltung zu verändern. Inspiriert von Hannah Arendt betonte sie:
- Vertrauen in Institutionen: Demokratische Institutionen brauchen Bürger*innen, die ihnen auch in Krisenzeiten den Rücken stärken, um Handlungsfähigkeit zu garantieren.
- Pluralität aushalten: Die Kunst des politischen Denkens besteht darin, die Welt aus der Perspektive anderer zu betrachten, ohne die eigene Urteilskraft aufzugeben.
- Haltung zeigen: In unsicheren Zeiten bedeutet Loyalität, Verantwortung für den gemeinsamen Handlungsraum zu übernehmen und sich gegen die „schreckliche Leere“ politischer Gleichgültigkeit zu stellen.
Praxis-Sessions: Von digitaler Freiheit bis zur Erinnerungskultur
In zwei intensiven Session-Runden wurden diese theoretischen Impulse in die konkrete Projektarbeit der Stiftung übersetzt. Das Spektrum der Sessionthemen spiegelte die Vielfalt der politischen Bildungsarbeit in Schleswig-Holstein wider:
- Gesellschaft & Teilhabe: Strategien für wirksame regionale Governance und innovative Beteiligungsformate für Jugendliche (z.B. Ocean Youngsters, Demokratietag oder Changemaker SH).
- Ökologie & Transformation: Wege zu einem nachhaltigen Lebensstil durch Projekte wie Creative Circular Cities und das Neue Europäische Bauhaus (UrbCitizenPower).
- Digitale Freiheit & Geschichte: Diskussionen über digitale Kontrolle (Digital Learning Campus) sowie die Zukunft historisch-politischer Bildung zwischen Autoritarismus und Algorithmen.
- Aktuelle Debatten: Reflexionen über komplexe gesellschaftliche Konflikte, wie den Umgang mit dem Palästina-Konflikt im Rahmen der Kulturwochen.
Vernetzung und Ausblick
Nach dem fachlichen Austausch bildete ein Epilog mit Mirjam Gläser und Jan Philipp Albrecht den inhaltlichen Abschluss. Der Tag klang bei einer Quiz Night und intensivem Networking aus – ein Format, das einmal mehr die Bedeutung der persönlichen Begegnung für die politische Arbeit unterstrich.
Die Ergebnisse der Sessions werden ausgewertet, um als Impulse für unsere politische Bildungsarbeit zu dienen. Wir sind dankbar für den wertvollen Austausch mit unseren Gäst*innen und freuen uns darauf, die Demokratie in Schleswig-Holstein auch 2026 gemeinsam zu stärken.