Bürgerbeteiligung als Schlüssel moderner Governance in Europa

Bürgerbeteiligung gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung. Angesichts komplexer gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen wird immer deutlicher: Demokratische Governance bleibt nur dann wirksam und legitim, wenn Bürger*innen aktiv in politische Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Beteiligung verbessert die Qualität öffentlicher Politiken, stärkt Vertrauen in Institutionen und erhöht die Akzeptanz politischer Entscheidungen.

Auf dem Holzgerüst eines Hauses sind viele Bauarbeiter*innen zugange.

Ein aktuelles Policy Brief (unten zum Download) der Interreg Europe Policy Learning Platform greift diese Entwicklung auf und zeigt, wie Bürgerbeteiligung strategisch und wirksam gestaltet werden kann. Es formuliert praxisnahe Empfehlungen für politische Entscheidungsträger*innen auf regionaler und lokaler Ebene und macht deutlich: Beteiligung ist kein ergänzendes Instrument, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Governance. Das Policy Brief plädiert daher für ein neues Verständnis urbaner Bürgerschaft, in dem Bürger*innen als aktive Mitgestaltende politischer, sozialer und räumlicher Entwicklung agieren.

Das „New European Bauhaus“ (NEB) bietet hierfür einen wichtigen europäischen Referenzrahmen. Es verbindet Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion und rückt damit genau jene Qualitäten in den Mittelpunkt, die für wirksame Bürgerbeteiligung entscheidend sind. NEB-Projekte setzen auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, kulturelle und künstlerische Praktiken sowie experimentelle Formate, um gesellschaftliche Transformation sichtbar, erfahrbar und verhandelbar zu machen. Beteiligung wird dabei nicht nur als politisches Instrument verstanden, sondern als kultureller und gestalterischer Prozess, der Identifikation schafft und demokratische Innovation fördert.

Lebenswerte Städte entstehen dort, wo demokratische Gestaltung gelingt. Dazu braucht es Beteiligung, Gestaltungskompetenz und institutionelle Rahmenbedingungen, die Macht teilen und Mitwirkung ermöglichen. Demokratische Stadtentwicklung ist keine abstrakte Vision, sondern eine konkret gestaltbare Praxis, wenn Bürgerbeteiligung ernst genommen, strukturell verankert und als kultureller wie politischer Prozess verstanden wird.

Zentrale Impulse für dieses Verständnis liefert das Interreg-Europe-Projekt URBCitizenPower, bei dem die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein Leadpartnerin ist. Sie bringt ihre langjährige Expertise in Bürgerbeteiligung, sozialer Innovation und politischer Bildung in das Projekt ein.

Die Projektpartnerschaft umfasst acht Partner*innen aus sieben europäischen Ländern, darunter Städte und Regionen aus Deutschland (Kiel), Portugal (Braga), den Niederlanden (Groningen), Dänemark (Guldborgsund), Finnland (Pori), der Slowakei (Košice) und Griechenland (RDFCM). Diese Vielfalt ermöglicht einen intensiven Austausch unterschiedlicher Governance-Erfahrungen und stärkt das gegenseitige Lernen im europäischen Kontext.

URBCitizenPower zielt darauf ab, Bürger*innen zu befähigen, urbane Transformationsprozesse aktiv mitzugestalten. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung integrierter Politikinstrumente in sieben Städten und einer Region Europas. Themen wie lebenswerte Stadt Strategien, Integration von Grün- und Naturflächen in der Stadt, sowie Kreativität und Kultur werden systematisch mit partizipativen Ansätzen verknüpft.