Frutti di Mare – Wissensserie auf YouTube

Wichtige Fragen rund um die Meere und Umweltprobleme wollen wir in unserer eigenen Wissens-Reportage-Serie „frutti di mare“ auf den Grund gehen. 

Im Hintergrund sind Umrisse von Meer- und Landschaften zu sehen. Darüber steht Frutti di Mare – Ideen für die Meere

Wie können wir uns an der Nordsee an den Klimawandel anpassen und dabei noch die Biodiversität stärken? Wie bekommen wir die Eutrophierung (= Überdüngung) in der Ostsee in den Griff? Und was lässt sich gegen den vielen Plastikmüll in den Meeren tun? Diesen und anderen wichtigen Fragen rund um die Meere und Umweltprobleme wollen wir in unserer eigenen Wisses-Reportage-Serie „frutti di mare“ auf den Grund gehen.

Für „frutti di mare“ gucken wir uns fünf unterschiedliche Umweltprobleme in der Nord- und Ostsee und wie diese entstehen. Das sind zum Beispiel die zunehmende Gefahr von Hochwassern an der Nordsee durch den Klimawandel, oder die starke Nährstoffbelastung in der Ostsee, die zu sauerstoffarmen Zonen und Algenteppichen auf dem Wasser führt.

Was wir uns aber ganz genau anschauen wollen, ist, wie wir diese Probleme in den Griff bekommen können. Deshalb besuchen wir für jede Folge ein Projekt oder eine Idee, mit der die Herausforderung angegangen werden soll. Wir wollen Menschen und Konzepte kennenlernen, die sich den Herausforderungen annehmen und an Lösungen arbeiten.

Eines aber schon vorweg: Die eine Lösung gibt es nicht. Aber wir wollen zeigen, wo man ansetzen kann und wie wir den Weg gehen können, um unsere Meeresumwelt zu erhalten und gleichzeitig die vielen Dinge nachhaltig nutzen können, die uns das Meer bietet.

Das Projekt verantwortet Elias Tetzlaff, falls ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt ihm unter project[at]ocean-summit.de. Das Projekt findet im Rahmen des Projekts Ocean Summit statt.

Episoden

Episode 1 – Salzwiesen für den Küstenschutz

Wie Salzwiesen und Pflanzen beim Küstenschutz helfen | frutti di mare | Episode 1 - Ocean Summit Kiel

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Wie kann man die Mehrwerte von maritimen Ökosystemen und Landschaften im Küstenschutz mitdenken? Dies wird im wissenschaftlichen Küstenschutzprojekt „Gute Küste Niedersachsen“ untersucht. Für das Wissensformat „frutti di mare“ hat Elias aus dem Ocean Summit Team Wissenschaftler*innen dieses Projekts in einem Reallabor im niedersächsischen Wattenmeer getroffen und sich Teile des Projekts zeigen lassen.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels, eines steigenden Meeresspiegels und der Zunahme von Extremwetterereignissen wird Küstenschutz auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Dies gilt auch für die deutsche Nord- und Ostseeküste. Neben Baumaßnahmen wie Deichen, Buhnen, Sandaufspühlungen oder Sperrwerken haben auch maritime Ökosysteme und Landschaften wie Salzwiesen, Seegraswiesen, Muschelbänke, (Korallen)riffe oder Mangrovenwälder wichtige Küstenschutzfunktionen. Darüberhinaus haben sie aber noch andere wichtige Mehrwerte, da sie Lebensraum für Vögel und Insekten bieten, die Artenvielfalt fördern sowie einen ästhetischen Wert und für viele Menschen einen Erholungsort darstellen.

Die verschiedenen Mehrwerte und die Küstenschutzfunktionen natürlicher Ökosysteme sollen in dem Projekt Gute Küste Niedersachsen in drei sogenannten Reallaboren untersucht werden. Jan-Michael Schönebeck, Doktorand an der Universität Hannover, setzt dabei auf Citizen Scientists, Menschen aus der Zivilgesellschaft, die in diesem Fall helfen, Daten zu sammeln. Dafür wurden im Langwarder Groden – einem Gebiet, das vor 90 Jahren eingedeicht wurde um landwirtschaftlich genutzt werden zu können, und das mittlerweile wieder renaturiert wurde – vier CoastSnap-Rahmen aufgebaut.

Bei dem CoastSnap-Rahmen handelt es sich um ein Metallgestell, auf das Spaziergänger*innen ihr Handy legen können, um aus einer ganz bestimmten Perspektive ein Foto der Umgebung machen zu können. Dieses Foto kann Jan-Michael Schönebeck und seinem Team per E-Mail oder Social-Media zur Verfügung gestellt werden. Durch das Zusammenbringen vieler Fotos des gleichen Ausschnitts, können die Wissenschaftler*innen dann herausfinden, wie sich beispielsweise der Priel und die Salzwiese vor Ort entwickeln.

Die Bedeutung von Salzwiesen

Die Entwicklung und die Ausbreitung der Salzwiese zu untersuchen ist für die Wissenschaftler*innen spannend, weil Salzwiesen einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz leisten können und gleichzeitig wertvolle Ökosysteme darstellen. Zum einen hält das Wurzelwerk der Salzwiesen das Sediment an Ort und Stelle und schützt die Flächen zwischen Watt und Land so vor Erosion, also der Abtragung des Sediments.

Zum anderen bremsen Salzwiesen die ankommenden Wellen, wodurch beruhigte Zone entstehen, in denen sich das im Wasser treibende Sediment ablagern kann. Die Salzwiesen wachsen so in Höhe, wodurch das Land und die Bewohner*innen dahinter mehr vor hohen Fluten geschützt werden.

Zusätzlich sind Salzwiesen Lebensraum von spezialisierten Pflanzen- und Insektenarten und bieten auch Habitate für Vögel, die dort Brutplätze und Nahrung finden. Dadurch leisten Salzwiesen als Ökosysteme einen Beitrag zur Arten- und Biotopvielfalt. Außerdem sind Salzwiesen Kohlenstoffsenken, sie können also mehr Kohlenstoff aufnehmen als sie abgeben, und haben als maritime Landschaft auch einen touristischen Nutzen.

Deiche biodiverser gestalten

Wichtig zu sagen ist, dass maritime Ökosysteme wie die Salzwiese Bauwerke zum Küstenschutz nicht vollständig ersetzen können. Aber sie können eine sinnvolle Ergänzung sein, um bei der Gestaltung der Küsten nicht nur den Hochwasserschutz, sondern auch andere wichtige Faktoren wie einen ästhetischen Mehrwert oder die angesprochene Unterstützung der Artenvielfalt mitzudenken.

Am Langwarder Groden führt Jan-Michael Schönebeck dazu ein Experiment an einem Deich durch. Durch die Aussaat verschiedener Saatgutmischungen möchte er herausfinden, durch welche Pflanzenmischungen die Küstenschutzfunktion des Deiches erhalten, der Deich gleichzeitig aber biodiverser begrünt werden kann, um so Insekten mehr Nahrung zu bieten. Für seine Untersuchungen lässt er beispielsweise eine Drohne steigen, mit Hilfe derer er eine sogenannte Grünwertanalyse durchführt. Anhand dieser lässt sich feststellen, wie dicht die Pflanzen auf dem Deich wachsen, was wiederum wichtig für die Frage ist, ob die Vegetation dicht genug ist, um den Deich vor Erosionen durch Wind und Wasser zu schützen. Ob sich die Erkenntnisse dann auch auf andere Gebiete übertragen lassen, ist aber eine andere Frage. „Die Vision ist natürlich, dass man es in den großen Maßstab überträgt. Da würde es aber erstmal ein paar Zwischenschritte geben müssen. Man müsste sich das auf einer größeren Skala nochmal anschauen“, sagt Jan-Michael Schönebeck.

Das bestätigt auch Geoökologin Maike Paul von der Universität Hannover: „Wir sind schon gut, wenn wir unsere Erkenntnisse auf andere Standorte in Niedersachsen übertragen können. Weil selbst die niedersächsische Küste nicht überall gleich ist.“ Sobald erste Ergebnisse feststellen sollen diese aber auch mit Kolleg*innen im Ausland diskutiert und an Entscheidungsträger*innen und Verantwortliche im Bereich Küstenschutz weitergegeben werden, um Handlungsempfehlungen zu geben.

Dem Projekt „Gute Küste Niedersachsen“ ist es dabei wichtig, mehrere Perspektiven gleichzeitig zu betrachten und die Herausforderung an der Küste ganzheitlich anzugehen. Dazu gehört auch, mit den Menschen vor Ort zusammenzukommen und sowohl die Vision von einer „guten Küste“ als auch den Weg dorthin gemeinsam zu entwickeln. Ein interessanter Ansatz, der sich mit Sicherheit auch auf andere Herausfoderungen an unseren Küsten übertragen lässt.

Text: Elias Tetzlaff

Mehr Infos

https://www.boell-sh.de/de/frutti-di-mare 
https://ocean-summit.de/bildung/frutti-di-mare/