Circular City Guide Kiel
Ein Kompass und Ideengeber
Vorwort
Liebe Kieler*innen,
Kiel ist ein Ort der Begegnungen – ob am Ostufer oder Westufer, auf dem Land oder auf dem Wasser. Wir alle tragen dazu bei, dass unsere Stadt so ist, wie wir sie kennen und schätzen. In vielerlei Hinsicht ist Kiel einzigartig: Als größte deutsche Stadt am Meer, mit unserem eigenen Comic „Werner“ und einem der größten Segelevents der Welt, das jedes Jahr hier stattfindet, bietet Kiel eine besondere Lebensqualität. Wir können morgens in der Förde baden und nachmittags am Strand entspannen – wir leben dort, wo andere Urlaub machen.
Doch all das ist keine Selbstverständlichkeit. Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht von allein, sondern durch das gemeinsame Handeln ihrer Bewohner*innen. Gleichzeitig wird diese Idylle durch Meeresplastik und Ressourcenverschwendung zunehmend bedroht. Die Frage ist also: Wie können wir gemeinsam gegensteuern?
Die Stadt Kiel hat sich auf den Weg gemacht, Zero-Waste-Stadt zu werden – eine Stadt, in der Ressourcen geschont und Abfälle weitestgehend vermieden werden. Bereits bis 2035 soll ein wichtiger Meilenstein erreicht werden, und bis 2050 ist das Ziel, den Restmüll um 70 % zu reduzieren. Das klingt vielleicht noch weit entfernt, doch um dieses Ziel zu erreichen, braucht es uns alle – und zwar schon heute. Es gibt viele Wege, die zu einer nachhaltigeren Zukunft führen.
Stellt euch vor, es ist das Jahr 2050: Kiel ist eine Stadt, in der Abfall kaum noch eine Rolle spielt und Ressourcen bewusst genutzt werden. Grüne Parkanlagen sorgen im Sommer für ein angenehmes Klima, und überall begegnen sich Menschen bei einem Kaffee. Das Reparatur-Café um die Ecke ist zu einem lebendigen Treffpunkt geworden, an dem geschnackt und gelacht wird, während gemeinsam Fahrräder repariert werden. Auf Flohmärkten werden alte Dinge zu neuen Lieblingsstücken, und kreative Ideen der Kieler*innen beleben die Innenstadt – einen Ort, an dem nicht nur eingekauft, sondern auch getauscht, gewerkelt und gelernt wird. Auch die Förde bleibt ein zentraler Begegnungsort, sei es bei Müllsammelaktionen im Kajak oder beim gemeinsamen Bergen von Geisternetzen.
Diese Vision muss keine Utopie bleiben. Wenn wir gemeinsam an der Zukunft unserer Stadt arbeiten, können wir genau dieses Kiel gestalten. Ein nachhaltiges Leben schafft Raum für Begegnungen und stärkt unser Gemeinschaftsgefühl. Lasst uns also gemeinsam in eine Zukunft starten, die wir aktiv mitgestalten – mit Zuversicht und einem Lächeln.
Dieser Circular City Guide versteht sich dabei nicht als strikte Anleitung, sondern als Kompass und Inspirationsquelle für unsere gemeinsame Zukunft. Er bietet praktische Tipps, stellt nachhaltige Initiativen, Vereine und Bildungsangebote in Kiel vor und lädt dazu ein, neue Wege zu entdecken.
Lasst uns gemeinsam den ersten Schritt in eine nachhaltige und lebendige Zukunft gehen.
Kirsten Müller und Max Nettlau
Anschar GmbH & Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Müllfrei durch den Tag: So geht’s in Kiel
Zero Waste im Alltag bedeutet, bewusst Abfall zu vermeiden und Ressourcen möglichst lange im Nutzungskreislauf zu halten. Das beginnt bereits beim Einkaufen, etwa durch die Verwendung wiederverwendbarer Taschen, den Kauf unverpackter Lebensmittel oder die Nutzung von Mehrwegbehältern. Im Haushalt setzt sich dieses Prinzip fort – beispielsweise durch Upcycling, das Kompostieren von organischen Abfällen oder das Reparieren defekter Gegenstände. Darüber hinaus lassen sich auch bei Kleidung, Fortbewegungsmitteln, Elektronik und Möbeln Ressourcen schonen, indem Dinge getauscht, geliehen oder gebraucht gekauft werden.
Ernährung im Kreislauf: regional & abfallarm
Wie wir essen, hat einen großen Einfluss darauf, wie viele Ressourcen wir verbrauchen. In Schleswig-Holstein entstehen pro Person jährlich rund 85 kg Verpackungsmüll, während in Deutschland gleichzeitig etwa 75 kg essbare Lebensmittel pro Kopf weggeworfen werden – ein erheblicher Teil davon wäre vermeidbar.
Gerade hier liegt ein großes Potenzial: Wer regional einkauft, Mahlzeiten bewusster plant und Lebensmittel möglichst vollständig verwertet, kann Ressourcen schonen und Abfälle deutlich reduzieren. Zahlreiche Initiativen und Angebote zeigen bereits, wie sich das ganz einfach in den Alltag integrieren lässt – alltagstauglich und ohne das Gefühl von Verzicht.
Wohnen mit Zukunft: Möbel, Materialien & Einrichtung
Möbel und Einrichtungsgegenstände begleiten uns häufig über viele Jahre, werden heutzutage jedoch immer schneller ersetzt. Dabei enthalten sie wertvolle Rohstoffe, und ihre Herstellung erfordert viel Energie und Arbeit. Ressourcenschonendes Einrichten bedeutet daher, Möbel möglichst lange zu nutzen, sie zu reparieren oder weiterzugeben, anstatt sie frühzeitig zu entsorgen. Zahlreiche Initiativen und Angebote zeigen bereits, wie Möbel und Materialien im Kreislauf bleiben können. Gleichzeitig wird deutlich, dass nachhaltiges Einrichten nicht nur umweltfreundlich, sondern auch individuell, kreativ und kostengünstig sein kann.
Mode im Wandel: Textilien neu nutzen
Kleidung ist für viele Menschen Ausdruck von Persönlichkeit und individuellem Stil. Gleichzeitig zählt die Textilindustrie weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen. Viele Kleidungsstücke werden nur wenige Male getragen, bevor sie ungenutzt im Schrank liegen oder entsorgt werden. Ein bewussterer Umgang mit Kleidung – etwa durch längere Nutzung, Reparaturen, Tauschen oder den Kauf gebrauchter Mode – trägt dazu bei, Ressourcen zu schonen und Abfälle zu vermeiden. Immer mehr Initiativen und Angebote zeigen, wie Mode im Alltag neu gedacht werden kann: kreativ, individuell und gleichzeitig ressourcenschonend.
Technik, die weiterlebt: Elektronik im Kreislauf
Ob Smartphones, Laptops oder Haushaltsgeräte – viele Geräte des Alltags enthalten wertvolle Rohstoffe und erfordern bei ihrer Herstellung große Mengen an Energie. Dennoch werden sie häufig ersetzt, obwohl sie noch funktionieren oder repariert werden könnten. Elektronik länger zu nutzen, zu reparieren oder weiterzugeben hilft dabei, Ressourcenverschwendung und Elektroschrott zu reduzieren. Zahlreiche Initiativen und Angebote zeigen bereits, wie Technik nachhaltig, praktisch und oft auch kostengünstig länger im Umlauf bleiben kann.
Mobilität in einer zirkulären Stadt
Bildung & Lernen: Kompetenzen für die Kreislaufwirtschaft
Ressourcenschonender Umgang mit Materialien und Produkten beginnt mit Bildung. Schulen, Hochschulen und Bildungsinitiativen können neue Sichtweisen zum Thema Konsum, Produktion und Nutzung vermitteln. Hier entstehen Ideen und Kompetenzen für eine zukunftsfähige Wirtschaft und Gesellschaft. Ob Reparieren, nachhaltiges Design, verantwortungsvoller Konsum oder neue Geschäftsmodelle: Bildung kann helfen, Ressourcen bewusster einzusetzen und innovative Lösungen zu entwickeln. Es gibt zahlreiche Angebote und Initiativen, die es ermöglichen, diese Fähigkeiten zu erlernen, auszuprobieren und weiterzugeben. Bildung wird so zum wichtigen Baustein für eine nachhaltige Zukunft.