Abwehr und Aneignung. Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach 1945 – und heute?

Die 14. Landesgedenkstättentagung Schleswig-Holstein, die von Freitag, 13. August, bis Sonntag, 15. August 2021, in der Nordsee Akademie in Leck / Nordfriesland stattfindet, beschäftigt sich mit der "zweiten Geschichte", dem Umgang mit der NS-Zeit nach 1945.

Zwei Metallstreben mit einer Lücke dazwischen: Links darauf steht "Gedenk", rechts "Stätte".

Die "zweite Geschichte"

Die Rezeption der Geschichte und Verbrechen des Nationalsozialismus umfasst heute bereits mehr als 75 Jahre. Die „zweite Geschichte“ der NS-Zeit nach 1945, die Geschichte unterschiedlichster Formen der Wahrnehmung und Auseinandersetzung, bewegte sich zwischen den Polen „Abwehr“ und „Aneignung“: Schweigen, Verdrängen, Leugnen und Bagatellisierung waren von Anfang an im Kampf mit Aufklären, Gedenken, Erinnern und tagesaktueller geschichtspolitischer Ausbuchstabierung der Bedeutung dieser Vergangenheit.

Pfade der (Nicht-)Auseinandersetzung

Die Landesgedenkstättentagung rückt diesen langen, oft skandalösen und windungsreichen Weg seit dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur in den Mittelpunkt. Sie beleuchtet unterschiedliche Pfade der (Nicht-)Auseinandersetzung: von der Suche nach NS-Täter*innen und deren mühsamer strafrechtlicher Aburteilung über die Geschichte von Verfolgtengruppen bis hin zu den Fragen biografischer Motivation in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten und des Generationenwandels im Umgang mit Nationalsozialismus, Völkermord und Vernichtungskrieg.

Der lange mehrheitlich beschwiegenen und verdrängten „Last der Geschichte“ folgte eine intensive, häufig bürgerschaftlich und wissenschaftlich initiierte öffentliche Vergangenheitsklärung. Dies geschieht auch in Debatten, die sich kritisch mit den Formen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, so zum Beispiel um die „Lust an der Schuld“ (Antonia Grunenberg) und ein „neues Unbehagen an der Erinnerungskultur“ (Aleida Assmann). Jüngste Angriffe von rechten Demokratiefeind*innen betreiben hingegen eine geschichtsrevisionistische Abwehr der Aufklärungsarbeit. Dieser breite inhaltliche Horizont der Tagung wird vertieft und konkretisiert mit einem Themenabend zu dem expressionistischen Maler Emil Nolde, einem besonderen Beispiel (auch) schleswig-holsteinischer NS-Geschichte und -Rezeption. Am Ende steht die Diskussion um heutige gesellschaftliche Herausforderungen durch Rechtsextremismus, Migration und Rassismus. Bezogen auf die Vermittlungsarbeit von Gedenkstätten geht es dabei um die Frage, in welchem Spannungsfeld heute das Bemühen um Aufklärung und Reflexion steht.

Im Mittelpunkt der Tagung steht somit das Wechselverhältnis von (veränderten) gesellschaftlichen Bedingungen und den jeweiligen Debatten um den Stellenwert der historischen Zäsur der Zeit des „Dritten Reiches“.

Anmeldung

Die Anmeldung läuft bis 2. August via Mail an: info@gedenkstaetten-sh.de

Bitte geben Sie neben Namen und Adresse den Zeitraum Ihrer Teilnahme und gegebenenfalls besondere Wünsche in Bezug auf Verpflegung (vegetarisch oder vegan) und Einzelzimmerunterbringung an.

Bitte nennen Sie auch den Workshop am Samstag, an dem Sie teilnehmen wollen.

Veranstalter*innen

Die Tagung wird gemeinsam durchgeführt von:

  • Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten
  • Evangelische Akademie der Nordkirche
  • Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
  • LAG Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein
  • Landesbeauftragter für politische Bildung Schleswig-Holstein
  • Landeskulturverband Schleswig-Holstein