Heinrich Böll Bildungswerk anderes lernen e.V. Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
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Doch das Gestern ist so nah
 

Die Begegnung mit Menschen, die in unterschiedlichen Lebenssituationen den Nationalsozialismus er- und überlebt haben und die Beteiligung an Ausstellungen, die sich aus besonderen Blickwinkeln mit dem 2. Weltkrieg auseinandersetzen, stehen im Zentrum unserer Beschäftigung mit der deutschen Geschichte.

Dazu gehören zum Beispiel die regelmäßigen Schleswig-Holstein-Besuche von Anita Lasker-Wallfisch, der "Cellistin von Auschwitz". Bei der Befreiung des Lagers Bergen-Belsen im April 1945 war Anita Lasker, Tochter aus gutem Breslauer Hause, gerade 19 Jahre alt. Bevor sie nach Bergen-Belsen verschleppt wurde, hatte sie schon Zwangsarbeit, Gefängnis und Auschwitz knapp überlebt. Geholfen hatte ihr dabei der enge Zusammenhalt mit ihrer Schwester Renate und ihre außergewöhnliche musikalische Begabung. 1946 gelang es Anita Lasker, ein Visum für England zu bekommen. Hier gründete sie eine Familie und war Gründungsmitglied des Londoner English Chamber Orchestra. 1996 erschien ihre eindringliche und anrührende Lebensgeschichte "Ihr sollt die Wahrheit erben" als Buch.

Weiterhin laden wir ehemalige ZwangsarbeiterInnen aus Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine nach Schleswig-Holstein ein. Auch sie gehören zu den letzten Menschen, die von den Greuel des Nationalsozialismus aus eigenem Erleben berichten können. Viele von ihnen sind zum ersten Mal nach Kriegsende an den Ort ihrer Zwangsarbeit zurückgekehrt und erinnern im Rahmen von öffentlichen und Schul- Veranstaltungen an die damalige Zeit.

Eine andere Lebensgeschichte erzählt Jacqueline van Maarsen, die Jugendfreundin von Anne Frank, auf ihren Lese- und Vortragsveranstaltungen in Schleswig-Holstein. Sie konnte sich dem Zugriff der Nazis dadurch entziehen, dass sie "arisiert" wurde.

"Fragt uns, wir sind die Letzten" hat Anita Lasker-Wallfisch auf einer Veranstaltung in Kiel gesagt. Unsere Bildungsarbeit mit ZeitzeugInnen wird absehbar in wenigen Jahren vorbei sein. Dann wird es keine Möglichkeit mehr geben, sich so authentisch und direkt mit dem Nationalsozialismus auseinander zu setzen.

Zu den Ausstellungen, die wir in diesem Arbeitsfeld begleitet oder initiiert haben, zählen unter anderem die sogenannte "Wehrmachtsausstellung" in der alten und der neuen Fassung, die Wanderausstellung "Anne Frank, ein Mädchen aus Deutschland" und eine Ausstellung zur Lebenssituation ehemaliger ZwangsarbeiterInnen in der Ukraine. Die Ausstellung "Bilder vom Krieg - Zeichnungen von belarussischen Kindern" ist auf unsere Initiative hin zum ersten Mal in Deutschland gezeigt worden. Weißrussland hat im zweiten Weltkrieg 30 Prozent seiner Bevölkerung verloren. 60 Jahre später haben sich belorussische Kinder und Jugendliche im Rahmen eines großen nationalen Malwettbewerbs mit diesen Ereignissen in ihrer Heimat und ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt.
Die Ausstellung ist in unserem Besitz und kann in Kooperation mit uns gezeigt und inhaltlich begleitet werden.

Kontakte zur Mitarbeit:
Dieter Boßmann, bossmann@boell-sh.de
Heino Schomaker, schomaker@boell-sh.de


 
 
 
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