Erinnerung bewahren - Ein Rückblick von Rolf Schwarz
Am 3. Juni 2009 begann in der Christian-Timm-Regionalschule in Rendsburg die Ausstellung „Erinnerung bewahren“, die durch eine Veranstaltungsreihe und einen Kreativwettbewerb für Schülerinnen und Schüler zum Schicksal polnischer Zwangsarbeiter ergänzt wurde. Letzterer endete im November mit dem Besuch polnischer und belarussischer Jugendlicher. Veranstalter für dieses Gesamtprojekt in Schleswig-Holstein waren die Christian-Timm-Regionalschule mit Unterstützung ihrer Offenen Ganztagsschule und die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein. mehr >>
Polnische ZwangsarbeiterInnen in Dithmarschen
Fünf ehemalige polnische ZwangsarbeiterInnen besuchten vom 3. - 9.11.2006 auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiel zum ersten Mal nach über 60 Jahren Dithmarschen. Ziel solcher Besuche ist es, den ehemaligen ZwangsarbeiterInnen zu ermöglichen, ihre ehemaligen "Arbeitsstellen" noch einmal aufzusuchen, mit deutschen ZeitzeugInnen zusammenzutreffen und insbesondere jungen Menschen über ihr Leben zu berichten. mehr >>
Lesereise einer ehemaligen Zwangsarbeiterin
Die ehemalige Zwangsarbeiterin Katarzyna Frankowska aus Wroclawec/Polen und ihre Enkelin Agnieszka Orankiewicz sowie Kamil Wieczorek von der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung in Warschau waren auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiel in der Zeit vom 04.10. – 16.10.2007 in Schleswig-Holstein
Dazu der Ministerpräsident Peter Harry Carstensen:
„Ich begrüße es, dass sich die Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen einer organisierten Lesereise durch einen Teil Schleswig-Holsteins für das Wahren der Erinnerung an die NS-Diktatur einsetzt. Gerade auch durch die persönlichen Erfahrungsberichte einer Zeitzeugin im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung der Enkelin mit der Vergangenheit ihrer Großmutter werden die Besucher der Lesungen mit einem individuellen und sogleich zeittypischen Schicksal in Schleswig-Holstein konfrontiert.“
Erinnerungen des ehemaligen KZ-Häftlings im internationalen Frauen-KZ Ravensbrück- Lager-Nr. 23746 Muratova (Mädchenname Makarova )Ljudmila Stepanovna in der Stadt Kiel
Es sind schon mehr als 56 Jahre vergangen, seitdem ich erstmals den Boden einer großen Industriestadt Deutschlands betrat. Vieles ist vergessen, aber im Gedächtnis sind die schweren Jahre der Sklaverei geblieben.
Man brachte uns im Oktober 1942 in Güterzugwaggons nach Kiel. Man ließ uns auf einem Platz Aufstellung nehmen. Wir wurden sortiert. Als Hausmädchen - die Schönen, als Bauern - die Starken, aber uns, die Kleinen, Schmächtigen wurden von einem Vertreter der Schiffbauwerft von Krupp eingesammelt. Aus der Gruppe wurden wir 20-30 Leute in ein Lager außerhalb der Stadt gebracht. Dort waren schon ausländische Arbeiter - Italiener. Wir Russen wurden in einen einzelnen Block eingewiesen. Das Lager war mit Stacheldraht umzäunt. Sich aus dem Lager zu entfernen, war verboten. Zur Arbeit mußten wir sehr früh aufstehen. Es war dunkel. Die Arbeitskolonnen wurden von Menschen in schwarzen Uniformmänteln bewacht. Wir wurden zu den Güterzugwaggons getrieben und in ihnen fuhr man uns auf die Werft. Dort gingen wir an unsere Arbeitsplätze, wo uns die Meister erwarteten.
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Die „Blume“ in Kiel: „Nein, körperlich misshandelt wurde ich hier nicht...“
Bernd Trede (46) kommt an diesem samstäglichen 2. Juni in seiner Freizeit, um für eine ungewöhnliche Besucherin eine Führung zu machen. So etwas sei ihm wichtig, sagt der Leiter des Polizei-Gewahrsams, das gehöre zur Geschichte seines Berufsstandes und dieses Hauses. Die Rede ist von der „Blume“, einem in Kiel bekannten Zellentrakt in der gleichnamigen Straße.
Die BesucherInnen sind von weit her: Ljudmila Stepanovna Muratova (82) und ihr Enkelsohn Sergey Bogsa (27) aus dem russischen Rostov/Don. In ihrer Begleitung Marlis Rathje, Sonderschullehrerin aus Kiel-Friedrichsort und Initiatorin des Besuches sowie Luba Chevyreva, beide arbeiten in der Bürgerinitiative Gedenkstein für Zwangsarbeiter, die zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung ein umfangreiches Besuchsprogramm für Frau Muratova erarbeitet hatte. weiterlesen...
Ein ehemaliger Zwangsarbeiter aus der Ukraine nach 65 Jahren zum ersten Mal wieder in Kiel
Vor 65 Jahren wurde Nikolaj Iwanowitsch Karatschenzew als 18jähriger zwangsweise aus Krymskoje, Gebiet Lugansk/Ukraine nach Schleswig-Holstein verschleppt. Von 1942 bis 1944 war er als Zwangsarbeiter bei der Kieler Firma Wilhelm Poppe als Schlosser. In Kiel war er auch im Arbeitserziehungslager (AEL) Russee.
Nach seiner Verhaftung im Oktober 1944 wurde Nikolaj I. Karatschenzew Häftling im KZ Neuengamme mit der Lagernummer 60986. Im April 1945 mußte er sich auf den Todesmarsch nach Neustadt begeben und kam dort auf das Häftlingsschiff Cap Arcona. Nach dem britischen Bombardement des Schiffes retteten den heute 82jährigen deutsche Fischer vor dem sicheren Tod. Am 3. Mai 1945 kam die Befreiung und Nikolaj I. Karatschenzew wurde Ende Mai 1945 nach Rostock gebracht und in die Russische Armee eingegliedert.
Vom 25. Oktober bis 4. November 2007 kam der ehemalige Zwangsarbeiter zusammen mit seinem Enkelsohn Iwan Grigirjewitsch Kalinitschenko auf Einladung der Friedrichsorter Bürgerinitiative "Gedenkstein für Zwangsarbeiter" und der Heinrich-Böll-Stiftung nach Schleswig-Holstein. Gefördert wurde der Besuch durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" in Berlin, J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH, Kiel-Friedrichsort, der Stadt Kiel, GEW Kreisverband Kiel, IG Metall Kiel, dem DGB Region KERN sowie dem ADAC-Landesverband.
Ein umfangreiches Besuchsprogramm sah z.B. Begegnungen mit deutschen ZeitzeugInnen vor, einen Empfang beim Stadtpräsidenten in Kiel sowie beim Bürgermeister in Neustadt, ebenso Informations- und Diskussionsveranstaltungen an der Kieler Ludwig-Erhard-Schule, der Jacob-Lienau-Realschule in Neustadt/Holstein. Ferner war ein Besuch der früheren Einsatzstelle (heute: Fa. "Sauer und Sohn"), des Lagergeländes in Russee, der Neustädter Bucht und des KZ Neuengamme vorgesehen.
Oleksandr Malovytsia - Mit 15 Jahren nach Schleswig-Holstein verschleppt
Oleksandr Malovytsia, geboren am 11.10.1926 in der Ukraine, lebt heute von einer kleinen Rente in Kiew und besuchte in der Zeit vom 26. April bis 11. Mai 2008 auf Einladung der Friedrichsorter Bürgerinitiative "Gedenkstein für Zwangsarbeit" und der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein jene Orte, in denen er vor über 60 Jahren zwangsarbeiten musste. weiterlesen >>
Es ggab ein umfangreiches Programm mit offiziellen Terminen, Begegnungen mit deutschen ZeitzeugInnen (u.a. in der Gedenkstätte Ladelund), Gesprächen mit SchülerInnen der Europaschule Christian-Timm-Realschule in Rendsburg, einen Empfang in der Jüdischen Gemeinde (Kiel, Eckernförder Str.)
Der Besuch wurde gefördert durch den Fonds "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", Berlin sowie unterstützt durch: Kieler Verkehrsgesellschaft mbH, Autokraft GmbH, Provinzial, Berlin Tourismus Marketing GmbH
Erst Waisenhaus, mit 12 Jahren Zwangsarbeiterin, heute 63 € Rente
Die ehemalige ukrainische Zwangsarbeiterin Korol Anna Afanasjewna besucht in der Zeit vom 04. – 18.10.2008 in Kiel, Kiel-Friedrichsort und anderen Orten in Schleswig-Holstein
Korol Anna Afanasjewna wurde am 15. April 1929 im ukrainischen Dorf Wassilevka geboren. Als Kind wurde sie zur Vollwaise: Beide Elternteile verstarben während der riesigen Hungersnöte der Dreißiger Jahre. Korol Anna Afanasjewna wuchs zusammen mit anderen Kindern in einem Waisenhaus des Dorfes auf.
Kaum 12 Jahre alt, musste sie erleben, wie deutsche Soldaten in ihr Dorf einmarschierten und nicht nur Erwachsene und Jugendliche zusammen trieben, sondern auch die Kinder des Waisenhauses, die sie für arbeitsfähig hielten. Nur Kleinkinder und Babies wurden verschont. Alle waren verängstigt, weinten, schrien - und mussten doch eng gequetscht in bereitstehende Viehwaggons steigen, die dann wochenlang nach Deutschland fuhren - und wo sie, auch die Kinder, zur Zwangsarbeit vorgesehen waren.
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Korol Anna Afanasjewna kommt zusammen mit ihrer Enkelin, der Berufsschülerin Susanna Olegowna Sagowenko aus dem Nachbardorf Gantschewka, Kobeljatzkij Bezirk, Poltawskij Gebiet, auf Einladung der Bürgerinitiative "Gedenkstein für Zwangsarbeiter" in Kiel-Friedrichsort und der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein in Kiel im September/Oktober 2008 nach Schleswig-Holstein (weil die Beschaffung von Reiseutensilien, Passfotos, Reisepaß u.v.a.m. sehr, sehr kompliziert und zeitaufwendig, zusätzlich bei Korol Anna Afanasjewna für große Aufregung ursächlich ist, können genaue Besuchsdaten zum jetzigen Zeitpunkt - Ende Juni 2008 - noch nicht genannt werden. Eine Bekanntgabe einschl. des Besuchsprogramms wird rechtzeitig im Gegenwind sowie auf der Homepage der Heinrich-Böll-Stiftung erfolgen.
Der Besuch wird gefördert durch den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Carstensen, den Fonds "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" in Berlin, die Stadt Kiel u.v.a.m.
Wer - auch mit Kleinbeträgen - helfen möchte, dass Korol Anna Afanasjewna nach ihrem Besuch etwas Geld mit nach Hause nehmen kann, um sich vielleicht dort ein paar Wünsche zu erfüllen oder aber ihr schweres Leben ein bisschen leichter gestalten zu können, ist herzlich eingeladen zum Stichwort "Anna" einzuzahlen auf das Böll-Konto 920 179 38 Förde Sparkasse Kiel, BLZ 210 501 70.
Herzlichen Dank!
Verschlusssache Tschetschenien
Tschetschenien – eine Provinz im Süden Russlands im Kaukasus-Gebirge – ist etwa so groß wie Schleswig-Holstein.
Unabhängigkeitsbestrebungen brachten diesem Land die fast völlige Zerstörung der Hauptstadt Grosny, Flüchtlingselend, Versorgungsmängel, massenhaft zerstörte Wohnungen, politische Verfolgungen und Folter, zahlreiche grausame Attentate, die Geiselnahme von Schulkindern in Beslan.

Der tschetschenische Fotograf Musa Sadulaev hat das Alltagsleben in diesem geschundenen Land fotografiert. Seine Fotos wurden bislang in russischen Medien von der Zensur verboten.
120 seiner Bilder sind vom Freitag, dem 9. Februar, bis Mittwoch, dem 28. Februar 2007 in der Bürgerhalle des Flensburger Rathauses zu sehen. weiter Informationen und Programm >>
Tschetschenien als Herkunftsland für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein
Seit 1991 herrscht in Tschetschenien Krieg. Ging es damals, unmittelbar nach dem Zusammenbruch der UdSSR, um die Unabhängigkeit, begann Russland 1999 mit der Rückeroberung. Mindestens die Hälfte der Bevölkerung hat das Land verlassen, wohnt teils anderenorts in Russland, vielfach aber auch in Westeuropa.
In Tschetschenien wurde der offene Krieg abgelöst durch eine brutale Besatzungsherrschaft. Eine willfährige einheimische Elite kollaboriert mit der Besatzungsmacht, stellt Präsident und Vizepräsident, die Milizen und Spitzel. Der russische Geheimdienst handeln ohne Kontrolle und ohne Bindung an Gesetze. Jede Nacht verschwinden Menschen, andere werden in offiziellen und inoffiziellen Gefängnissen ohne Anklage und ohne Kontakt festgehalten. Die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau verschwinden zu einem großen Teil in unsichtbaren Kanälen. weiter Informationen und Programm >>