Donnerstags: 18:00 bis 20:00 Hörsaal K im Auditorium Maximum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Christian-Albrechts-Platz 3, Hörsaal II
Da kurzfristige Änderungen des Hörsaals möglich sind, schauen Sie zur Sicherheit am Tag der Veranstaltung nochmal auf unsere Homepage.
Seit Beginn der 1990er Jahre erlebt die Bundeswehr einen tiefgreifenden Wandel. Neue Bedrohungen und Risiken in Form des internationalen Terrorismus, der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, ihrer Trägersysteme und einer zunehmenden Konkurrenz um Rohstoffmärkte haben den Bezugsrahmen militärischen Handelns und die Rolle des Militärs in der Sicherheitsvorsorge grundlegend verändert. Mit der Begründung der „Krisenbewältigung“ und „Friedenssicherung“ wird militärische Gewaltanwendung vom internationalen Krieg zwischen Staaten auf die militärische Intervention in innerstaatlichen Konflikten übertragen. Inzwischen ist der militärische Einmarsch in Krisengebiete und die Führung unerklärter Kriege nicht nur machbar sondern zu einem Mittel der internationalen Sicherheit, der Außenpolitik der Staaten und der Bündnispolitik der Allianzen geworden.
Mit der neuen Wahrnehmung von Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe sind die militärischen Aufgaben und Aktivitäten der Bundeswehr stetig erweitert worden. Seit Beginn der 1990er Jahre wird die Bundeswehr von einer reinen Verteidigungsarmee zu einer „Armee im Einsatz“, wie es offiziell im „Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“ heißt, umstrukturiert.
Angesichts der Zahl der ständig wechselnden militärischen Einsätze mit rasch variierenden Mandaten ergibt sich eine Vielzahl von Fragen, die bislang noch nicht ausreichend in Politik und Gesellschaft behandelt worden sind:
Was bedeutet „Armee im Einsatz“ genau, was soll und darf sie oder darf sie auch nicht? Wie lassen sich militärische Einsätze der Bundeswehr mit Grundgesetz und Völkerrecht vereinbaren? Was genau sind die deutschen Interessen, die in Afghanistan, vor der Küste des Libanon, am Horn von Afrika und anderswo notfalls auch mit Waffengewalt vertreten werden sollen? Welchem Zweck soll der Einsatz militärischer Gewalt dienen und welche Mittel sollen über welchen Zeitraum eingesetzt werden? Wie sieht die Kooperation mit anderen Missionen (VN, EU, NATO) aus? Was bedeutet eine zivil-militärische Zusammenarbeit und welche Folgen hat sie für zivile Hilfsorganisationen? Welchen Zumutungen und Gefahren werden die betroffenen Soldaten ausgesetzt? Welche Auswirkungen hat das auf die Soldaten und auf die Gesellschaft? Welches Opfer ist die deutsche Gesellschaft bereit zu tragen und wer setzt den Maßstab?
Die Ringvorlesung im Wintersemester 2007/2008 wird vom Arbeitsbereich Friedensforschung (SCHIFF) des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Universität Kiel gemeinsam mit der Heinrich Böll-Stiftung Schleswig-Holstein durchgeführt. Ziel ist eine breit angelegte Debatte über grundlegende Probleme, die mit der neuen Rolle der Bundeswehr verbunden sind.
Kontakt und weitere Informationen:
Dr. Ulrike Kronfeld-Goharani, Schleswig-Holsteinisches Institut für Friedenswissenschaften
Kaiserstr. 2 (Geb. F), D – 24143 Kiel
Tel.: +49/431/880-6332; Fax. +49/431/880-6333, E-mail: kronfeld@schiff.uni-kiel.de