Vermischtes

Der Demokratietag geht in die zweite Runde!

Auch in diesem Jahr wird es wieder einen Demokratietag am RBZ Wirtschaft in Kiel geben.
Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr  bei den SchĂŒler*innen auf großes Interesse gestoßen ist, plant das RBZ gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung auch in 2017 einen Schultag, der sich rund um politische und gesellschaftliche Fragen dreht. Stattfinden wird dieser am 3. Mai.
Das Angebot an die SchĂŒler*innen: Eine breite Palette an frei wĂ€hlbaren Workshops, die sich mit verschiedenen aktuellen Themen, wie beispielsweise Flucht, den Bedrohungen durch den Populismus oder die bevorstehende Landtagswahl beschĂ€ftigen.

Wer Impressionen vom Demokratietag erhalten möchte, kann gerne einen Blick auf die Berichte vom letzten Jahr werfen:

Artikel der Kieler Nachrichten

Presseinformation des RBZ Wirtschaft . Kiel

Sachbericht zum Demokratietag

BegrĂŒĂŸungsrede von Genia Niemeyer auf YouTube

Charlie continue!

Warum radikalisieren sich Jugendliche fĂŒr den Dschihad?

Am 7. Januar 2017 jĂ€hrt sich der Mordanschlag auf die Pariser Redaktion des Satireblattes Charlie Hebdo zum zweiten Mal. Islamistische Terroristen hatten Redakteure und Mitarbeiter*innen der Satirezeitschrift gezielt ausgewĂ€hlt und hingerichtet. Auch ein Polizist wurde Opfer dieses Angriffs. Die Erinnerung an diesen barbarischen Akt und das Gedenken an die Opfer steht im Kontext des weltweiten islamistischen Terrors und vor allem im Zusammenhang mit weiteren brutalen Attacken wie am 13. November 2015 auf das Bataclan in Paris, in BrĂŒssel, Nizza, WĂŒrzburg, Ansbach, Magnanville (F.), Saint-Etiennne-du-Rouvray, Essen, Charleroi (Belgien) 2016 ... Auch wenn die Opfer z. T. nicht gezielt ausgewĂ€hlt,sondern der reinen WillkĂŒr der TĂ€ter ausgesetzt waren, so sind doch Motive und Ziele der TĂ€ter dieselben. Es ging um das Morden im Namen einer religiös verbrĂ€mten Ideologie und Angriffe auf zentrale Symbole von Meinungsfreiheit, Demokratie und west -lichem Lebensstil. Die sie begrĂŒndenden republikanischen Werte wie MenschenwĂŒrde, Gleichheit, SolidaritĂ€t, Meinungsfreiheit und weitere universelle Menschenrechte sind in ihren Grundfesten attackiert worden. Die TĂ€ter sind zumeist junge Leute, ja pubertierende Jugendliche, die sich auf beklemmende und oft unverstĂ€ndliche Weise radikalisiert haben, zum Islam konvertiert, freiwillig in den Krieg fĂŒr den IS (Daech) gezogen sind, um mit Kampferfahrung zurĂŒck nach Europa zu kommen. Es sind junge EuropĂ€er, von denen die meisten der 2. und 3. Einwanderergeneration angehören. Zur Debatte steht die Frage nach der Radikalisierung von europĂ€ischen Jugendlichen, von denen die meisten eine Migrationsgeschichte haben. Wir brauchen den Mut, nach eigener Verantwortung fĂŒr soziale Schieflagen und gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse in Europa und der Welt zu fragen. Dabei geht es nicht um VerstĂ€ndnis fĂŒr religiöse Fanatiker und ihren barbarischen Terror; es geht um ein Verstehen der Ursachen als Grundlage fĂŒr die Verteidigung der grundlegenden Werte der westlichen Welt, damit wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Zum Flyer geht es hier!

Fr., 6. Januar 2017, 19 Uhr
Landeshaus Kiel, Schleswig-Holstein Saal
DĂŒsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel

Eintritt frei (Personalausweis erforderlich)

Ruben Reid: Dynamik des Rassismus

Auf die in hoher Zahl nach Deutschland gekommenen GeflĂŒchteten folgte neben einem hohen Maß an solidarischem ehrenamtlichen Engagement auch eine massive Eskalation rassistischer Gewalt, die sich in bundesweiten Protesten und Übergriffen auf (Erstaufnahme)UnterkĂŒnfte entlud. Diesem nach wie vor hochaktuellen Thema hat sich Ruben Reid in seiner im MĂ€rz 2016 geschriebenen Bachelorarbeit gewidmet, welche wir hier veröffentlichen wollen, da das Thema in Zeiten von weiter anwachsendem Rassismus in der bundesdeutschen Gesellschaft und stetig mehr erstarkenden rechten KrĂ€ften nicht an Brisanz verliert. Mit einem zeitlichen Abstand untersucht Ruben aus wissenschaftlicher Perspektive die im September 2014 beginnenden Proteste gegen zwei geplante Erstaufnahmeeinrichtungen fĂŒr GeflĂŒchtete in den schleswig-holsteinischen Orten Boostedt und Bornkamp. Indem er mittels medialer Berichterstattung und Verwaltungsschriften die Reaktionen und das Verhalten von Anwohner*innen sowie den Umgang der beteiligten politischen Akteur*innen analysiert, zeigt er auf, welche rassistischen Dimensionen diesen Diskursen innewohnen. und was ihre Dynamik ausmacht Außerdem wird untersucht, unter welchen Bedingungen diese Proteste Dynamiken entwickeln, die sie gegebenenfalls erfolgreich werden lassen.
Dies alles ist eingebettet in einen vorangegangenen theoretischen Teil zur Rassismusforschung, der sich ausfĂŒhrlich mit der Entstehung und Entwicklung von strukturellem Rassimus, insbesondere in Deutschland, und dessen VerschrĂ€nkung mit Sexismus und Nationalismus auseinandersetzt.
WĂ€hrend es in Boostedt zwar zu rassistischer Argumentation, der GrĂŒndung von BĂŒrger*inneninitiativen und zu Aktionen seitens der NPD kam, setzte sich aber letztlich das Motiv einer humanitĂ€ren Aufgabe gegenĂŒber GeflĂŒchteten durch. In Bornkamp jedoch entstand eine Initiative namens „Neue Heimat Bornkamp“, durch deren rassistisch und sexistisch gefĂŒhrter Protest es dazu kam, dass die Erstaufnahmeeinrichtung nicht entstand.
Ruben Reids Untersuchung verdeutlicht, dass zwar mit Ängsten argumentiert wird, diese sich aber schnell als rassistische Ressentiments gegenĂŒber GeflĂŒchteten herausstellen und immer auch im Kontext einer restriktiven und rassistischen Gesetzeslage in Deutschland zu sehen sind.

Ruben Reid: Dynamik des Rassismus

 

 

„Big Data“ oder „Gib Data“?

Constanze Kurz (Quelle Wikipedia)
Konstantin von Notz (Quelle Wikipedia)
Konstantin von Notz

Überwachungsstaat vs. Datenschutz

Politischer Brunch, am 27. September, 12.00 Uhr, in der DIELE, Mengstr. 41-43, LĂŒbeck

mit

Constanze Kurz (Netzaktivistin netzpolitik.org & Chaos Computer Club): Sind Pressefreiheit & Grundrechte gefÀhrdet?

Konstantin von Notz (MdB B’90/Die GrĂŒnen, Sprecher fĂŒr Netzpolitik): Was machen die Geheimdienste mit unseren Daten? (& Aktuelles aus Berlin)

(Eintritt frei)

Wir freuen uns besonders, die Netzaktivistin Constanze Kurz und den aktiven Netzpolitiker Konstantin von Notz fĂŒr die Veranstaltung gewonnen zu haben.

 

Staatliche Stellen, Firmen, soziale Netzwerke, Kranken- und Rentenversicherungen speichern unsere Daten. Sind sie vor Missbrauch geschĂŒtzt? Haben wir noch die Kontrolle ĂŒber unsere eigenen Daten?

Wir wollen ausloten, welche politischen und persönlichen Handlungsmöglichkeiten uns im Zuge der sich rasant entwickelnden Datengesellschaft/Digitalisierung aller Lebensbereiche bleiben und ob der (europÀische) Datenschutz die
Persönlichkeitsrechte der BĂŒrgerInnen schĂŒtzt. Der jĂŒngste Skandal um den Blog netzpolitik.org wirft auch die Frage um den Schutz der Pressefreiheit auf.

Staat und Politik sind gefordert, die Datenschutzregelungen an die aktuellen technischen Bedingungen anzupassen. Der Schutz der persönlichen Daten lÀuft der Zeit hinterher, da sich die technischen Möglichkeiten rasant weiterentwickeln.
Auch die Rolle der Geheimdienste von BND und NSA sollen vor dem Hintergrund der aktuellen EnthĂŒllungen der Überwachungs- und Geheimdienst-Affaire beleuchtet werden.

LĂ€sst sich die Überwachung der Gesellschaft noch eingrenzen oder leben wir bereits in einem Überwachungsstaat?

Bei der anschließenden Diskussion können Fragen zum Thema gestellt werden.

Moderation: Vicky Koke
Veranstalter: Heinrich-Böll- Stiftung Schleswig-Holstein
in Kooperation mit dem LĂŒbecker Jugendring e.V.

Flyer zur Veranstaltung (pdf)

Netzpolitische Themen der Böllstiftung>>

ExpertInnenrunde bei der HBS in Berlin: "Woher? Wohin? Die Zukunft der Parteiendemokratie"

Im Rahmen des Verbundprojekts „Gut vertreten? Update fĂŒr Demokratie“ fand am Dienstag, den 11. November 2014 in Berlin ein GesprĂ€ch zwischen ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Medien statt. Organisiert von der Bundesstiftung und der Landesstiftung Baden-WĂŒrttemberg in Kooperation mit dem Progressiven Zentrum (Berlin), ging es in der Veranstaltung um aktuelle Themen wie die allgemeine Demokratieverdrossenheit und das neue Begehren nach BĂŒrgerbeteiligung und vor allem darum, wie sich die Parteien in diesen Entwicklungen zurechtfinden können. Nach Inputs von Politikwissenschaftlern zu Geschichte, aktueller Situation und Rolle der Parteien im gesellschaftlichen Wandel gab es jeweils Zeit fĂŒr Diskussionen, die in sachlicher AtmosphĂ€re und auf hohem Niveau gefĂŒhrt wurden.
Zuletzt wurden erste Ergebnisse eines Projekts des Progressiven Zentrums vorgestellt, das sich mit der Ausarbeitung von innovativen, zukunftsweisenden Parteistrukturen beschÀftigt, um Fortbestand und Erfolg der Parteien in Deutschland zu gewÀhrleisten.

Hier finden Sie die ProgrammĂŒbersicht der Tagung und einen ausfĂŒhrlichen Sachbericht zum Download (PDF).

Neue Landesverfassung in Schleswig-Holstein: Gott oder nicht Gott, das ist hier die Frage


Seit Oktober 2014 kommt Gott in der schleswig-holsteinischen Landesverfassung nicht mehr vor. Obwohl beide bekennende Christen sind, haben zwei Abgeordnete der GrĂŒnen unterschiedlich abgestimmt. Was Andreas Tietze und Eka von Kalben bewogen hat zu ihrem Entschluss, was Gott fĂŒr sie bedeutet und welchen Einfluss es ihrer Meinung nach hat, in einer Landesverfassung auf Gott hinzuweisen oder nicht - dazu haben wir sie in einem Interview befragt.
Um das GesprĂ€ch zu hören, auf den Play-Button ĂŒber dem Bild klicken.

Kreative Bildung: Mehr als nur ein Label!

Vor einigen Tagen ist das Praktikumsprojekt zum Thema kreative Bildung zu Ende gegangen. Wir haben in diesem Rahmen Mitte November einen offenen Runden Tisch zum Praxistag Globales Lernen in Rendsburg veranstaltet, zu dem wir AkteurInnen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen eingeladen haben und wichtige Diskussionspunkte angestoßen wurden. In einigen mit BildungsakteurInnen gefĂŒhrten Interviews wurden zudem Aspekte und Erfahrungen mit kreativer Bildung dokumentiert. Ende November fand dann ein erster Versuch statt, innerhalb eines 3-tĂ€gigen Workshops mit einer festen TeilnehmerInnengruppe kĂŒnstlerische und praktische Wege auszuprobieren, um sich einer Thematik anzunĂ€hern. In jedem Fall wurde ein deutliches Interesse daran sichtbar – es scheint sich zu lohnen, dem auf der Spur zu bleiben!

Der Projektbericht ist hier verlinkt.

Kiel Wik – ein Stadtteil in der Transformation

Vor welchen Chancen und Herausforderungen steht ein Stadtteil, wenn große Liegenschaften frei werden, neu genutzt werden sollen und damit auch Anziehungskraft fĂŒr neue BewohnerInnen entfalten können? Darum ging es auf der Veranstaltung „Stadt in der Transformation. StĂ€dtebauliche Perspektiven fĂŒr das Marinequartier Kiel Wik“ in der letzten Woche im Atelierhaus im Anscharpark.

Das Marienquartier Kiel Wik ist im Umbruch. Im Quartier gibt es FlÀchen und GebÀude mit ehemals ziviler oder militÀrischer Nutzung, die bereits seit lÀngerer Zeit nicht mehr genutzt werden oder in Zukunft keine konkrete Funktion mehr haben. Jetzt ist es Aufgabe des Transformationsprozesses, Potentiale zu erkennen, den Wettstreit guter Ideen und engagierter Akteure zu moderieren, um in den nÀchsten Jahren eine hohe Wertigkeit neuer Nachbarschaften zu realisieren.

Dabei kommt der Entwicklung des Anscharparks, des ehemaligen MarinelazarettsgelĂ€ndes, eine besondere Bedeutung zu. Neben der Wohnbebauung soll hier, ausgehend von den bereits bestehenden Initiativen uns Projekten, ein kreatives Zentrum entstehen. Es soll Raum bieten fĂŒr die die Entwicklung und Realisierung von vielfĂ€ltigen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten und einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der AttraktivitĂ€t des Quartiers leisten. Damit sind zahlreiche Fragen und potentielle Konflikte verbunden. Prof-. Alexa FĂ€rber von der Hafen-City-Uni in Hamburg wies auf die „grundlegende Ambivalenz“ hin, kĂŒnstlerisches Engagement, das von seinem Wesen her eigen- und widerstĂ€ndig sei, in eine stĂ€dtebauliche Strategie einzuhegen. Mit dieser Ambivalenz mĂŒsse produktiv umgegangen werden. Ziel sei eine hochwertige Nachbarschaft unterschiedlicher Menschen.

Dies könne aber nur gelingen, wenn die ansĂ€ssige Bevölkerung ernsthaft in die Planungen einbezogen und die aus anderen StĂ€dten bekannten Folgen von Gentrifizierungsprozessen, wie soziale Segmentierung und die VerdrĂ€ngung der Alteingesessenen, verhindert werden können, war Michael Schwer ĂŒberzeugt. Schwer ist Gemeindepastor in der Wik und wusste zu berichten, dass die Entwicklungen im Quartier durchaus auch Ängste bei den Ă€lteren Menschen auslösen. Es gebe hier enge

Verbindungen zur Marine, auch diese IdentitĂ€t des Stadtteils mĂŒsse thematisiert werden. Und das auch in einer historischen Perspektive, wie Dr. Arne Zerbst, PrĂ€sident der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, forderte. So mĂŒsse weiter geforscht werden, was beispielsweise in dem Krankenhaus auf dem AnschargelĂ€nde in der Zeit von 1933 bis 1945 geschehen ist.

Kiels OberbĂŒrgermeister, Dr. Ulf KĂ€mpfer sicherte zu, dass er der Entwicklung in der Wik auch weiterhin große Bedeutung zumesse und die unterschiedlichen Interessen und Ziele in den weiteren Prozess einbinden werde.

Rechtsextremismus-PrĂ€vention und Geschlecht – Vielfalt macht PĂ€dagogik

Der Schutz junger Menschen gegenĂŒber rechtsextremen Weltsichten und Verhaltensweisen stand im Mittelpunkt einer sehr gut besuchten Veranstaltung, die Ende Mai in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin stattfand und sich eng an den Praxiserfordernissen der pĂ€dagogischen Arbeit in diesem Feld ausrichtete.

WertschĂ€tzung junger Menschen und ein Ernstnehmen ihrer WĂŒnsche und Ziele sind die grundlegenden Voraussetzungen, um ihnen Orientierungen zu geben, ihren Platz in der demokratischen Gesellschaft zu finden. Nur so kann den Angeboten der radikalen Rechten mit einfachen und ausgrenzenden Politikinhalten, Gewaltbereitschaft und hierarchischen Ordnungsvorstellungen, die vorgeblich Schutz und Sicherheit bieten, ein attraktives Gegenmodell eröffnet werden. Erfahrungen aus dem Projekt „MĂ€nnlichkeit und Rechtsextremismus“, die Vivien Laumann und Katharina Debus vom Verein Dissens prĂ€sentierten, zeigen deutlich, dass es dabei sehr hilfreich sein kann, geschlechtsspezifische Klischees aufzugreifen und kritisch zu hinterfragen. PrĂ€ventive Arbeit setzt darauf, dass geschlechtsbezogene Rollenmuster nicht in den Köpfen gefestigt werden. Dabei kommt einer demokratischen Bildungsarbeit, die rechtsradikale Politik und Verhaltensweisen analysiert und ihnen offensiv entgegentritt, eine zentrale Bedeutung zu.

Hier hat Schule eine besondere Aufgabe. Dr. Gabi Elverich forderte, Rechtsextremismus in jedem Fach zum Thema zu machen. In der Schule habe man die einmalige Möglichkeit, Projekte langfristig anzulegen. Man mĂŒsse den SchĂŒlerInnen beibringen, dass sie eine soziale Verantwortung haben in ihrer demokratischen Handlungskompetenz. Jugendliche könnten Vorbilder sein, um Rechtsextremismus mit dem Stempel „uncool“, zu versehen. Allerdings setze eine solche Arbeit auch eine umfassende Qualifizierung der LehrerInnen voraus.

Dieses schulische Engagement muss auch von der außerschulischen Jugendarbeit begleitet und vertieft werden. Man muss Jugendliche verstehen wollen und Vertrauen zu ihnen aufbauen, sagte Kevin StĂŒtzel, der in diesem Feld seit langem aktiv ist. Dabei haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen fĂŒr RechtsextremismusprĂ€vention in den letzten Jahren wieder verschlechtert, was die Arbeit weiter erschwere.

Spezifische Aspekte der PrÀventionsarbeit gegen Rechtsextremismus und Hilfe bei ganz konkreten Herausforderungen im Arbeitsalltag standen im Mittelpunkt der Workshops und der Podiumsdiskussion, die den Tag abschlossen.

Und das Fazit? PrĂ€vention gegen Rechtsextremismus ist eine wichtige und unverzichtbare Arbeit, um BeitrĂ€ge zur Stabilisierung einer vitalen Demokratie zu leisten und Jugendliche dabei zu unterstĂŒtzen, ihren verantwortungsvollen Platz in dieser Gesellschaft zu finden.

 

Der Europa-Atlas ist da

Wo steht Europa kurz vor der Europawahl 2014? Wie sehen die BĂŒrger/innen Europa? Wie viel bedeutet Ihnen die EU, wie viel Vertrauen haben sie? Wo stehen die einzelnen Staaten im direkten

Vergleich, wie wirkt sich die Politik der EU aus und vor allem: Welche GemeinplĂ€tze und Klischees, die in den Debatten um die Zukunft Europas, der EU und des EURO angefĂŒhrt werden, halten den empirischen Fakten wirklich stand?

Diesen und weiteren Fragen ist der heute von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik (DGAP), dem European Council on Foreign Relations (ECFR) und Le Monde diplomatique in Berlin vorgestellte Europa-Atlas, auf den Grund gegangen.

Dabei nimmt der Europa-Atlas, der in seiner Form an den "Fleischatlas" anknĂŒpft, 20 Themen, von der Euro-Krise, dem Aufmarsch der Europa-Gegner, der Außen- und Sicherheitspolitik, dem Nord-SĂŒd-GefĂ€lle, ĂŒber die Themen Frauen, Asyl, Energie, Bildung und Außenhandel, bis hin zum Eurovision-Song-Contest nĂ€her unter die Lupe und prĂ€sentiert die Ergebnisse in kurzen, prĂ€gnanten Texten und informativen Grafiken.

Er stellt unter anderem anschaulich dar, dass
- pro Kopf nicht Deutschland, sondern Schweden, DĂ€nemark und Luxemburg am meisten netto in den EU-Haushalt zahlt.
- in Irland und Bulgarien die wenigstens Fremdsprachen gesprochen werden, Deutschland im Vergleich zu 25 EU-Staaten auf Platz 12 liegt.
- die DĂ€nen von allen EuropĂ€er/innen am ehesten ĂŒberzeugt sind, dass ihre Stimme in der EU zĂ€hlt, die Griechen und Zyprioten dagegen am wenigsten.
- auch in den VorzeigelÀndern Schweden, Finnland und DÀnemark zwar rund drei Viertel der Frauen erwerbstÀtig sind, es aber fast keine weibliche Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende gibt.
- zukĂŒnftig die stĂ€rkste Bevölkerungszunahme im Norden und Westen Europas zu verzeichnen sein wird, wĂ€hrend in Ost- und Mitteleuropa die Bevölkerung schrumpfen wird.
- die meisten Kinder in der EU in Frankreich, die wenigsten in Litauen geboren werden.
- der deutsche Atomausstieg mitnichten ein Sonderweg ist und nur in 14 der 28 EU-Mitgliedsstaaten ĂŒberhaupt Atomstrom produziert wird.
- die EU aktuell in 15 zivilen und militÀrischen AuslandseinsÀtzen aktiv ist.
- es die meisten Facebook-Nutzer in der TĂŒrkei gibt.

"Mit der Ukraine-Krise ist die Idee von einem vereinigten, demokratischen und friedlichen Europa stĂ€rker denn je in den Mittelpunkt der Wahrnehmung gerĂŒckt. Plötzlich wird uns in Europa vor Augen gefĂŒhrt, dass Menschen wieder auf die Straße gehen, um Teil einer Union zu werden, die, trotz aller Probleme, auf Freiheit und FreizĂŒgigkeit, Herrschaft des Rechts, soziale Teilhabe und wechselseitiger Beistand baut. Mit dem Europa-Atlas wollen wir Kenntnisse vermitteln und

ZusammenhĂ€nge verdeutlichen, wollen Europa anschaulich machen, vor allem aber wollen wir motivieren, sich fĂŒr dieses historische Projekt zu engagieren. Denn ‚EuropamĂŒdigkeit‘ können sich nur diejenigen leisten, die die Errungenschaften der europĂ€ischen Einigung fĂŒr selbstverstĂ€ndlich halten", so Ralf FĂŒcks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

Doch dieses Projekt "befindet sich inmitten der grĂ¶ĂŸten ErschĂŒtterung seiner 60-jĂ€hrigen Geschichte", sagt Olaf Böhnke, Leiter des Bu?ros Berlin, European Council on Foreign Relations. "Dabei geht es nicht nur um Projekte, es geht vielmehr um TrĂ€ume und Visionen eines geeinten Europas, die von nationalistischen und populistischen Parteien infrage gestellt werden. In der Vergangenheit hat die EU bewiesen, dass sie Erfolge bewirken kann. In der aktuellen Krise muss sie diesen Beweis noch erbringen. Denn Europa ist groß genug, um Weltpolitik aktiv zu gestalten."

Prof. Dr. Eberhard Sandschneider, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft fu?r AuswÀrtige Politik ergÀnzt, dass "der Europa-Atlas bewusst den Blick u?ber das politisch-institutionelle System der

EuropÀischen Union hinaus erweitert. Denn Europa ist weit mehr als das 'System EU'. Zuletzt wurde auf dem Maidan eindrucksvoll artikuliert, was Europa fu?r die Menschen bedeutet: einen Lebensentwurf, den wir EuropÀerinnen und EuropÀer teilen. Diesen Lebensentwurf dauerhaft zu sichern, nicht mehr und nicht weniger, ist Ziel und Aufgabe der EU."

Barbara Bauer, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe von Le Monde diplomatique, weist darauf hin, dass "Europa das große Versprechen des 21. Jahrhunderts ist, ein wunderbares Projekt fĂŒr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, und Meinungsfreiheit. Aber die heutige EU stellt auch Zumutungen dar: kompliziert, zu undemokratisch, zu bu?rokratisch, zu marktdarwinistisch, zu unsozial. Diese Zumutungen mĂŒssen und können wir Ă€ndern, engagierte EuropĂ€er/innen beweisen es jeden Tag. Zu seinem GlĂŒck braucht Europa gerade seine kritischen Fans, die an der Idee von einem besseren, sozialeren Europa festhalten."

Geschlechterbilder und Rechtsextremismus-Ein Erfahrungsbericht

Am Freitag, den 4. April 2014 fand in der Fachhochschule Kiel eine Veranstaltung mit dem Titel „Rechtsextremismus und Geschlechterbilder“ statt. Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen waren, ging es um kurz nach neun los mit dem ersten einleitenden Vortrag von Melanie Groß. In dem Vortrag beschrieb Frau Groß erst einmal, was eigentlich Rechtsextremismus ist. Wir lernten, dass es ein Einstellungsmuster ist, das eine Ungleichwertigkeitsvorstellung von Menschen unterstĂŒtzt. Hierbei mĂŒsse auch zwischen politischem und sozialem Rechtsextremismus unterschieden werden. Außerdem mĂŒsse darauf geachtet werden, dass man Linksextremismus und Rechtsextremismus nicht miteinander vermische, da beim Linksextremismus ein EgalitĂ€tsgedanke vorherrsche, der mit dem Rechtsextremismus nicht verglichen werden dĂŒrfe, da dies zu keinem brauchbaren Ergebnis fĂŒhre. Es wurde auch ĂŒber die Frauen im Rechtsextremismus gesprochen. Diese teilte Frau Groß in verschiedene Kategorien auf. Es gĂ€be vor allem die drei Gruppen, „Klassisch“, „Modernisiert“ und „Sexismus-kritisch“. Bezugsbild dieser Gruppen sei, trotz ihrer unterschiedlichen Haltungen und Vorstellungen, die Volksgemeinschaft. Die meisten Frauen dĂŒrfe man nicht unterschĂ€tzen, da sie genau so fanatisch fĂŒr ihr Weltbild kĂ€mpfen wĂŒrden wie MĂ€nner. Nur sei bei ihnen die Opferbereitschaft manchmal noch grĂ¶ĂŸer, also alles fĂŒr die Sache zu geben.

Danach wurde ein Vortag von Andrea Röpke gehalten. Diese schrieb ein Buch mit dem Titel „MĂ€delsache!-Frauen in der Neonazi-Szene“. Sie beschrieb, wir rechtsradikale Frauen sich vermehrt in unserer Gesellschaft wiederfinden lassen und dabei ihre Ideologie verbreiten, oft unbemerkt diese an Kinder weitergeben. Der „Ring Nationaler Frauen“ wurde angesprochen, indem auch vermehrt Bildungsangebote fĂŒr Frauen organisiert wĂŒrden. Es sei auch bei MĂ€nnern angekommen und geduldet, dass sich Frauen weiterbilden dĂŒrften, allerdings mĂŒssten sie irgendwann Kinder bekommen. Frauen, aber auch allgemein alle Nationalsozialisten, wĂŒrden sich stĂ€rker fĂŒr soziale Themen und Umweltschutz oder Kindergeld einsetzten und dabei dann immer wieder ihre Ideologie einfach zu den Themen hinzu packen, sodass man auf den ersten Blick gar nicht die rechte Haltung bemerke.

Einen dritten Vortag gab es von Andreas Hechler mit dem Titel „MĂ€nnlichkeit und Neonazismus(prĂ€vention)“. Er befasste sich damit, wie „echte MĂ€nner“ sein mĂŒssen und welches Bild von MĂ€nnern weitergegeben wird an die nĂ€chste Generation. Der Mann sei der „starke BeschĂŒtzer“, derjenige, der „gefĂŒhllos“ ist und fĂŒr krĂ€ftigen und starken Nachwuchs sorge. Der Mann nimmt somit die Rolle ein, einem Idealbild von Mann anzustreben und diesem möglichst nahe zu sein. Dazu gehört eben auch, dass die weibliche Seite unterdrĂŒckt wird und bei „echten MĂ€nnern“ nicht zum Vorschein kommt.

Nach einer kurzen Mittagspause, wurden Workshops angeboten und ein World CafĂ©. Leider konnte man sich nicht aufteilen, denn bei der Diskussion nach den Workshops kam heraus, dass es interessante Diskussionen waren. In dem World CafĂ© wurden viele Beispiele aus der Praxis erzĂ€hlt. Es war ein sehr offenes und spannendes GesprĂ€ch. Es wurden die Themen diskutiert, wie man mit rechten Eltern und wie man mit rechten Kindern und Jugendlichen umgehen kann. Außerdem wurden die Erfahrungen und GefĂŒhle geĂ€ußert, die man jetzt nach den VortrĂ€gen gesammelt hatte.

In dem Interview, was danach mit Dr. Esther Lehnert stattfand, wurden ein paar Themen der Workshops genannt. Zum Beispiel, inwieweit man dem Nationalsozialismus offen gegenĂŒber treten muss, da es in Deutschland Meinungsfreiheit gibt. Frau Dr. Lehnert gab zu bedenken, dass, wenn man offen fĂŒr alles ist, nicht ganz dicht ist. Sie hĂ€tte einmal einen Power Point Vortag beendet mit den Worten „Ich finde Nazis doof“. Dies sei auch eine Meinung. Außerdem wurde das Thema HomosexualitĂ€t angesprochen. Innerhalb der rechten Szene gĂ€be es einfach keine HomosexualitĂ€t, so Dr. Lehnert. Es wĂŒrde nicht geduldet und auch ein schwuler Politiker wurde aus seinem Amt gemobbt.

Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung mit vielen Informationen und interessanten Fragen und Diskussionen. Allerdings ist klar, dass es noch viel zu tun gibt, Nationalsozialismus zu ignorieren ist keine Möglichkeit, die diesen Menschen aufzeigt, dass ihr Weltbild diskriminiert.

Den Flyer finden Sie hier>>

Wie fĂŒhlt sich Armut an?

Unsere Abendveranstaltung mit Inge Hannemann, bekannt als „Hartz IV-Rebellin“, am vergangenen Donnerstag (27. MĂ€rz) in der Fachhochschule Kiel, war ein voller Erfolg. Zahlreiche Menschen machten sich auf den Weg, um sich Frau Hannemanns Vortrag zu der von ihr geforderten Abschaffung der Sanktionen gegen EmpfĂ€ngerInnen von Transferleistungen anzuhören. Der zunĂ€chst fĂŒr den Vortrag vorgesehene Hörsaal „platzte schon vor Veranstaltungsbeginn aus allen NĂ€hten“, sodass ein spontaner Umzug in einen grĂ¶ĂŸeren Hörsaal nötig war, damit jeder der rund 280 Besucher einen Platz fand.

Der einleitende Kurzvortrag von Prof. Christian BrĂŒtt bot einen guten Einstieg in das Thema und die UrsprĂŒnge der Hartz IV-Gesetzgebung. Auch machte er anhand von Studien deutlich, in welchem Ausmaß und mit welcher BegrĂŒndung Sanktionierungen von HilfeempfĂ€ngern vorgenommen werden.

Engagiert und lebendig ergriff danach Inge Hannemann das Wort. Mit ihrer sympathischen, authentischen Art erzĂ€hlte sie von Ihren Erfahrungen, davon, wie Sanktionierungen sich bei den Betroffenen auswirken und bereits zur Obdachlosigkeit von Menschen gefĂŒhrt haben, sprach von der Arbeitsplatzsituation in Deutschland und von der Lebenssituation der Menschen, die keine Möglichkeit haben einer Erwerbsarbeit nachzugehen.

Das alles macht Hannemann zu einer BefĂŒrworterin des bedingungslosen Grundeinkommens.

Das interessierte Publikum nutzte die abschließende Zeit der Diskussion intensiv, um Fragen zu stellen, Statements abzugeben und von eigenen Erfahrungen zu berichten. Es war ein rundum bereichernder Abend fĂŒr alle Anwesenden, an dem deutlich wurde, dass die MissstĂ€nde der deutschen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ein Thema ist, das Menschen bewegt.

Der Vortrag am Donnerstag-Abend war nicht der einzige Einsatz von Frau Hannemann an diesem Tag. Schon am Vormittag machte sie sich auf den Weg, um mit uns im Offenen Kanal LĂŒbeck eine Hörfunksendung zu produzieren. In dieser Sendung haben wir uns dem Thema Armut aus verschiedenen Blickwinkeln genĂ€hert. Anhand diverser Interviews mit Fachakteuren und kommentierenden Hinweisen von Inge Hannemann haben wir versucht ein realistisches Bild zu zeichnen von der derzeitigen Reichtums- und Armuts-Situation in Deutschland und inwiefern existenzsichernde Erwerbsarbeit heutzutage fĂŒr alle zugĂ€nglich ist. Wir haben Frau Hannemann dabei als sehr offene GesprĂ€chspartnerin erlebt, die sich auf differenzierte aber auch empathische Art und Weise mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Die Zusammenarbeit mit ihr war sowohl eine große Bereicherung als auch ein echtes VergnĂŒgen.

 

 

 

Auf den Spuren von Heinrich Böll - Studienreise nach Köln 20. – 21. Juni 2014

Böll am Rhein © Toni Richter

Der Nordverbund der Heinrich-Böll-­Stiftungen will gemeinsam auf Spurensuche unseres Namensgebers gehen. Im Juni erkunden wir gemeinsam die Domstadt mit den Augen des LiteraturnobelpreistrĂ€gers Heinrich Böll. Der gebĂŒrtige Kölner sah seine Heimatstadt durchaus kritisch, blieb jedoch immer positiv eingestellt und hat Köln in seinen Werken vielfach beschrieben. Es werden Lebensstationen des Schriftstellers nachgezeichnet, und wir erfahren, inwieweit die Stadt in Bölls Werk zu entdecken oder wiederzufinden ist. Außerdem treffen wir auf den Sohn Heinrich Bölls, den Maler RenĂ© Böll, und machen uns auf den Weg in Bölls Sommerhaus nach Langenbroich.

Freitag, 20. Juni

15.30 – 17 Uhr: Besuch beim Verlag „Kiepenheuer & Witsch“
Im Verlag Kiepenheuer & Witsch ist das gesamte Hauptwerk Bölls erschienen. Seit dem Jahr 2002 wurde außerdem das grĂ¶ĂŸte editorische Projekt seiner Geschichte verwirklicht: Über einen Zeitraum von neun Jahren ist die auf 27 BĂ€nde angelegte, textkritisch durchgesehene und kommentierte Kölner Ausgabe der Werke Heinrich Bölls erschienen. Sie prĂ€sentiert sein Werk erstmalig in gattungsĂŒbergreifender chronologischer Anordnung.

17 – 18 Uhr: Check-In Unterkunft

18 – 19.30 Uhr: Literarischer Stadtspaziergang Teil I
Auf den Spuren von Heinrich Böll. Ein literarischer Stadtspaziergang mit einschlÀgigen Texten von und biographischen ErlÀuterungen zu Heinrich Böll. Leitung: Markus SchÀfer, Heinrich-Böll-­Stiftung

ab 19.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen

Sonnabend, 21. Juni

9 Uhr: Literarischer Stadtspaziergang Teil II
... entlang des Rheins

10 – 12 Uhr: Treffen mit RenĂ© Böll im Atelier im Rheinauhafen
RenĂ© Böll berichtet ĂŒber seine Arbeit, die neben der Öl-­ und Aquarellmalerei auch Arbeiten mit chinesischer Tusche und Radierungen umfasst. Neben einem Überblick verschiedener Ausstellungsprojekte gibt RenĂ© Böll auch einen Einblick in die Welt der Farben.

14 – 18 Uhr Besuch von Bölls Sommerhaus (jetzt Stipendiatenhaus) in Langenbroich/Eifel
Stefan Knodel (Stadt DĂŒren) und Sigrun Reckhaus (Heinrich-­Böll-­Stiftung) berichten ĂŒber die Geschichte des Hauses und des Vereins „Haus Langenbroich“. Eventuell besteht die Möglichkeit, mit den aktuellen StipendiatInnen im Haus ins GesprĂ€ch zu kommen.

Leistungen

-­zweitÀgiges Programm
-­gemeinsames Abendessen am Freitag
-Busfahrt nach Langenbroich/Eifel
-­fachliche Leitung: Markus SchÀfer, Heinrich-Böll-­Stiftung/Heinrich-Böll?Archiv Köln
-­Reiseleitung: Heinrich-­Böll-­Stiftung Mecklenburg-Vorpommern

TeilnahmegebĂŒhr

40 EUR / 30 EUR (ermĂ€ĂŸigt fĂŒr Student_innen und Alg II-EmpfĂ€nger_innen)
Die Anreise erfolgt individuell.
Es besteht die Möglichkeit, Hotelzimmer vom 20.-22. Juni im Rahmen eines reservierten Kontingents im „GĂŒnnewig Kommerz Hotel“ in Anspruch zu nehmen. Das Kontingent ist bis zum 2. Juni reserviert. Die Buchungen ĂŒbernimmt die Heinrich-Böll-Stiftung MV.
ZusĂ€tzliche Kosten: DZ 108 EUR / EZ 76 EUR pro Nacht (inkl. FrĂŒhstĂŒcksbuffet).

„GĂŒnnewig Kommerz Hotel“ ‱ Johannisstr. 30 -­?? 34 ‱ 50668 Köln ‱ Tel.: (02 21) 16 10?0
www.guennewig.de/kommerzh/homepage.php
Das Hotel befindet sich in unmittelbarer NÀhe zum Hauptbahnhof/Kölner Dom.

Die Anzahl der Teilnehmenden ist auf 18 begrenzt. Die Anmeldung ist erst mit Überweisung der TeilnahmegebĂŒhr verbindlich. Eine BestĂ€tigung erfolgt schriftlich. Eine Abmeldung bis 2. Juni 2014 ist kostenlos. Danach können nur noch nicht angefallene Kosten zurĂŒck erstattet werden.

Information und Anmeldung

Heinrich-Böll-Stiftung MV ‱ MĂŒhlenstraße 9 ‱ 18055 Rostock (ab Ostern: Friedrichstr. 23)
fon: 0381?4922184 ‱ fax: 0381?4922156 ‱ mail: post@boell?mv.de

Zum Eintritt Kroatiens in die EU – Lesung von Edo Popovic

Copyright: Christian Kortuem

Gemeinsam mit unseren KooperationspartnerInnen laden wir ein zu einer Lesung mit Edo Popović. Der Schriftsteller war MitbegrĂŒnder einer der einflussreichsten Underground-Literaturzeitschriften des ehemaligen Jugoslawiens. Von 1991-1995 arbeitete er als Kriegsberichterstatter, dessen unideologischen Reportagen ebenso angesehen wie gefĂŒrchtet wurden. In Kiel liest er aus seinem Buch »Der Aufstand der Ungenießbaren«, ĂŒbersetzt von Alida Bremer. Darin entwirf Edo Popović ein dystopisches Szenario des zukĂŒnftigen Kroatiens, in dem die Gesellschaft in Reiche und Habenichts zerfĂ€llt. Die einen verschanzen sich hinter Mauern in einem Ghetto der AuserwĂ€hlten, die anderen, die »Ungenießbaren«, sind in die »Zone« gedrĂ€ngt, wo das Überleben einen tĂ€glichen Kampf bedeutet. Edo Popović wird seinen Roman gemeinsam mit der renommierten Übersetzerin und Autorin Alida Bremer vorstellen.

Die Lesung findet statt am Dienstag, 19. November um 20 Uhr im Kieler Literaturhaus und ist Teil des Projekts na brodu (an bord) – Literatur aus Kroatien, das von der Gesellschaft Kulturallmende initiiert wurde. Weitere Informationen dazu: www.kulturallmende.org/aktuell.html

FreigĂ€nger–die Ausstellung im Aterlierhaus im Anscharpark

Am Samstag, den 9. November war die Eröffnung der Ausstellung „FreigĂ€nger–Malerei“ von Rita Erven als KĂŒnstlerin. Frau Erven sucht sich Fotografien aus Zeitungen oder anderen Quellen und malt dann daraus mit Acrylfarbe GemĂ€lde. Jedoch entsteht daraus meist etwas Neues, womit die KĂŒnstlerin auch immer versucht, den Betrachter mit einzubeziehen. Es geht ihr um die Transformation des Persönlichen ins AllgemeingĂŒltige. In ihren Bildern versucht sie die tiefen GefĂŒhle darzustellen, die jede und jeder irgendwann in besonderen Situationen erlebt. Hierbei dreht es sich um negative GefĂŒhle, wie Traurigkeit und Einsamkeit.

Rita Erven wurde in Langerwehe, in der NĂ€he von Aachen geboren und ist nun 47 Jahre alt. Sie studierte Grafik-Design und ist seit 2007 freiberuflich tĂ€tig, arbeitet seit 2013 in Teilzeit im GEOMAR Helmholtz-Zentrum fĂŒr Ozeanforschung.

Seit 2001 stellt sie ihre Kunst aus. Ihre GemÀlde werden immer mit Acryl auf Baumwollnessel gemalt.

Auf den GemĂ€lden in der Ausstellung sind immer Menschen gemalt worden. Diese Menschen werden von der KĂŒnstlerin nicht gekannt und sollen die Stimmung und das ZeitgefĂŒhl eher wiedergeben, als ihre Persönlichkeit. Die Interpretationen können unterschiedlich ausfallen. Ebenso unterschiedlich kann der Weg von dem Foto zum Bild ausfallen. Die KĂŒnstlerin malt meist nach einer Foto- oder Bildvorlage. Manchmal sieht das hinterher entstandene GemĂ€lde dem Foto Ă€hnlich und manchmal ĂŒberhaupt nicht. Es gibt keine Grenze, alles darf verĂ€ndert werden. Die Farben, die benutzt werden, sind bunt, geradezu erschlagend. Die Blicke der Menschen faszinieren und doch kann man ihnen manchmal nicht standhalten. Es ist so, als wĂŒrden die Personen auf den Bilden den Betrachter in das Bild ziehen und festhalten und gleichzeitig hat man oft das BedĂŒrfnis, ihnen zu helfen, ohne dazu fĂ€hig zu sein. Die GefĂŒhle der Bilder ĂŒbertragen sich auf einen selbst und das Lachen wird plötzlich zum eigenen Lachen, die Depression zu eigenen Depression.

Außerdem sind die Menschen auf den Bildern mit der Umgebung verbunden, werden mit der Umwelt vermischt, klare Konturen lösen sich auf. Vor allem die Köpfe der Menschen gehen in die Umgebung ĂŒber. Das Denken dieser Personen wird zur Umwelt und die Umwelt zum Gedachten. Es sind Bilder die uns berĂŒhren, Traumbilder, aber diese TrĂ€ume sind nicht immer schön, aber fast immer bunt. Es sind Bilder, die es lohnt, sich anzusehen, da man sie jedes Mal mit anderen Augen sieht.

Vorurteile - wie geht ihr Jugendlichen damit um?

Unter diesem Namen fand am 28.10.3013 der neunte Workshop beim politischen Kirchentag in Plön statt. Schon im Voraus hat sich die Gruppen von Referent_innen und Moderator_innen getroffen. Die Referent_innen bestanden aus Jugendlichen, als Isabelle, Sebastian, Silja, Svernja, Michael, Frederik und Marie und die Moderator_innen waren Reinhard Heymann, der fĂŒr die Jugendbildung in der Propstei Plön zustĂ€ndig ist und Katja Zornig, die Pastorin in Plön ist. Besonders an dem Workshop war, dass er von Jugendlichen fĂŒr Jugendlich war.

Das erste Seminar fand am 10. und 11. August statt und sollte uns helfen, Vorurteile zu erkennen und sie besser zu verstehen. Zwei Referentinnen haben uns dabei begleitet.

Zum einen haben wir einen Vortrag von Julia Camara bekommen. Sie ist Psychologin und interessiert sich fĂŒr das Thema, deshalb war sie erfreut, fĂŒr uns einen Vortrag zu gestalten. Allerdings war es nicht nur ein Vortrag, sondern es wurden auch Spiele gespielt und viel diskutiert.

Viele Vorurteile sind kulturell bedingt. Es sind festgefahrene, nicht hinterfragte Meinungen zu einem Thema, die hĂ€ufig von Vorbildern, vor allem Eltern oder Erziehungsberechtigten, ĂŒbernommen werden. Allerdings muss dabei immer beachtet werden, dass es nicht nur negative Vorurteile gibt. WĂ€hrend wir diskutiert haben ist uns immer wieder aufgefallen, dass das Wort „Vorurteil“ eher negativ besetzt wird und es kein positives Wort gibt, dass dasselbe beschreibt. Wenn man sich das Wort aber genauer ansieht, dann ist es ein Urteil, dass man sich bildet und das den Alltag stark vereinfacht. Ein Beispiel:

Morgens steht man auf und sieht aus dem Fenster. Es ist November und draußen liegt Schnee. In den seltensten FĂ€llen kommt man dann auf die Idee eine kurze Hose zu tragen oder andere Sommerklamotten, sondern wird sich wohl einen Wintermantel und eine lange Hose anziehen.

Außerdem haben wir erfahren, dass dadurch, dass die Vorurteile nicht hinterfragt werden und einfach hingenommen werden, diese sehr langlebig sind. Wir stecken Menschen metaphorisch in eine Schublade und machen diese dann zu, ohne oft hinein zu schauen und zu hinterfragen, ob dieser jemand oder sogar eine Gruppe von Menschen in der Schublade richtig ist. Dies kann im positiven, aber auch im negativen Sinne passieren.

Am zweiten Tag des Seminars kam Julika Koch. Julika Koch ist Diakonin und Historikerin bei der nordelbischen Kirche, die uns dabei unterstĂŒtzte, ein Konzept fĂŒr den Workshop zu gestalten und Diskussionen anregte. Außerdem zeigte sie uns einen Film, in dem Vorurteil anhand einer auslĂ€ndischen Taxifahrerin gezeigt wurden. Im Laufe des Seminars konnten wir ein Konzept erarbeiten, das wir auf den politischen Kirchentag anwenden konnten.

WĂ€hrend des politischen Kirchentages, haben wir zunĂ€chst Antworten auf die Frage gesammelt: Was sind Vorurteile fĂŒr uns? Da nicht alles von oben wiederholt werden soll, wird der zweite Teil des Workshops ausfĂŒhrlicher erklĂ€rt.

In dem zweiten Teil ist Matthias Isecke-Vogelsang zu uns gekommen und hat uns viel zum weiterdenken und ĂŒberdenken gegeben. Matthias ist Schulleiter und Lehrer in LĂŒbeck und er ist Punk, was er auch auslebt. In der Vergangenheit gab es einen starken Aufruhr in den Medien, da an seiner Kompetenz gezweifelt wurde.

Mit ihm haben wir vor allem Gegenmaßnahmen gesammelt, gegen negative Vorurteile, also Vorurteile, die uns oder Anderen schaden. NatĂŒrlich sollten wir alle uns bewusst werden, dass wir Vorurteile haben und dass diese auch negativ sein können. Es gilt also, darĂŒber nachzudenken, ob das Vorurteil die Menschenrechte anderer gefĂ€hrdet. Falls dies der Fall ist, ist es ein erster Schritt, Kontakt mit der Gruppe oder der Person aufzunehmen, gegenĂŒber der man Vorurteile hat. NatĂŒrlich muss man sich in diesem Fall dazu bewegen, offen und positiv auf diese Menschen zuzugehen, schließlich möchte man sein negatives Vorurteil „besiegen“. Andererseits kann man sich auch Informationen ĂŒber eine Menschengruppe holen, indem man ĂŒber sie im Internet recherchiert oder BĂŒcher ĂŒber sie liest. Hierbei sollte man eine 360 ° Drehung vollziehen und sich aus jeder Ecke Informationen holen, anstatt eine Internetseite zu besuchen oder ein Buch zu lesen und danach ist das Vorurteil womöglich noch stĂ€rker.

Eine andere Gegenmaßnahme ist, dass man gemeinsame Projekte startet und diese Gruppe oder dieser Mensch, gegen den man Vorurteile hat, dieses Projekt mitmacht. Wenn man gemeinsam eine Aufgabe oder ein Problem löst, dann kommt man in Kontakt und hat die Möglichkeit, innerhalb eines Teams etwas Gutes zu bewirken. FĂŒr sich selbst, aber auch fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Sache.

Aus diesen Erkenntnissen haben wir zuletzt drei Thesen gezogen, die den Seminarteilnehmer_innen aus allen Seminaren vorgestellt wurden.

1 . Wir mĂŒssen die Offenheit gegenĂŒber anderen Religionen fördern. Dies soll vor allem im Kindesalter geschehen, da hier die Grundlage fĂŒr Vorurteile entsteht. Dies kann zum Beispiel passieren, indem man Schulgottesdienste veranstaltet fĂŒr muslimische und christliche Kinder. Außerdem werden auch den Eltern ihre Vorurteile aufgezeigt, wenn sie sich damit konfrontiert sehen, dass ihr Kind ein_e Freund_in einer anderen Religion hat.

2 . Seminare oder Schulungen fĂŒr Hauptamtliche und Ehrenamtliche zum Thema Vorurteil. Da wir ganz viel von dem Seminar, das wir fĂŒr uns gemacht haben, profitiert haben, wollen wir, dass dies weitergetragen wird und auch andere davon profitieren.

3 . Projekte fĂŒr die Integration von Minderheiten fördern (z.B. Homosexuelle, Behinderte, Muslime)

Marie Hölscher

„Die TĂŒrkei am Scheideweg“ Der tĂŒrkische Menschenrechtler Coskun Üsterci sprach auf einer Veranstaltung in Kiel

Die gesellschaftliche Spaltung in der TĂŒrkei zwischen dem streng religiösen Umfeld der Regierungspartei AKP und den jungen, modern und demokratisch orientierten Menschen wird immer tiefer. Dieses Bild zeichnete der Kriegsdienstgegner und Menschenrechtler Coşkun Üsterci auf einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung und der Deutschen Friedensgesellschaf Kiel (DFG-VK) Anfang November an der Kieler UniversitĂ€t.

Dabei setzte er sich sehr kritisch mit der AKP auseinander, die kulturelle Vielfalt und demokratische Rechte immer stĂ€rker beschneide und dabei auch brutale Polizeiaktionen anordne und stĂŒtze. Üsterci wĂŒrdigte die Gezi-Protestbewegung als lebendigen und kreativen Ausdruck eines lange gewachsenen Unmuts gegenĂŒber Autoritarismus, staatlicher Gewalt und EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit. Diese Bewegung mache deutlich, wie stark und vielfĂ€ltig der Widerstand gegen die Regierungspartei mittlerweile sei.

Der seit dem FrĂŒhjahr bestehende Waffenstillstand im Kurdenkonflikt ist nach Auffassung des Menschenrechtlers von hoher Bedeutung. Er mĂŒsse weiter stabilisiert werden, auch ĂŒber die Wahlen im kommenden Jahr hinaus. Die Lebenssituation der syrischen FlĂŒchtlinge in der TĂŒrkei, die Üsterci auf etwa eine Million Menschen bezifferte, sei katastrophal. Diese Menschen hĂ€tten kaum das Nötigste zum Leben, staatliche Hilfe gĂ€be es nicht.

Akteurstagung am 9. Dezember in Kiel Wege in eine inklusive Gesellschaft in Schleswig-Holstein

In den Diskussionen um soziale Gerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und den Zusammenhalt der Gesellschaft spielt die Leitidee einer „inklusiven Gesellschaft“ eine zentrale Rolle.

Wir brauchen RĂ€ume, in denen alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben fĂŒhren und gesellschaftliche Wirklichkeit mitgestalten können; in Gremien, Beteiligungsprozessen und Abstimmungen. Das sind die unverzichtbaren strukturellen Voraussetzungen fĂŒr eine inklusive Gesellschaft.

Auf einer Akteurskonferenz, die die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit dem „ParitĂ€tischen Schleswig-Holstein“ veranstaltet, sollen weitere Schritte in diese Richtung konzipiert und gegangen werden.

„Wege in eine inklusive Gesellschaft in Schleswig-Holstein“

Montag, 9.12.2013, 10:00 bis 15.30 Uhr, Regionales Bildungszentrum Wirtschaft, Westring 444, Kiel

Anmeldung:

Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen erbeten bis zum 1.12.2013 telefonisch unter 0431/9066-130 oder per Mail an info@boell-sh.de

Akzeptanz, Gemeinsinn und Chancengleichheit lassen sich nicht von oben herab diktieren. Die RĂ€ume fĂŒr Selbstbestimmung, EigenstĂ€ndigkeit und soziale Verantwortung sind vor Ort; in Nachbarschaften, in kommunalen Projekten, in Schulen und sozialen Einrichtungen.

Hier finden gelebte Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt statt. Eine inklusive Gesellschaft kann nur von unten wachsen – und sie muss immer wieder neu reflektiert und justiert werden.

Unsere Einladung richtet sich an Mitarbeiterinnen sozialer Einrichtungen und an zivilgesellschaftliche Akteure in verschiedenen inhaltlichen Arbeitsfeldern in Schleswig-Holstein.

Wir möchten mit Ihnen an den von uns so genannten „Kreativtankstellen“ ZusammenhĂ€nge diskutieren, Perspektiven eröffnen, politisch wirksame Wege erfinden, vielleicht ein ganz konkretes Projekt betrachten oder auch erfinden. Und wir wollen gemeinsam Impulse fĂŒr den Zusammenhalt einer vielfĂ€ltigen Gesellschaft setzen!

„Ich bin
 Du bist
“ Eine Ausstellung zum Umgang miteinander

Die Ausstellung ist in ein wohnlich-abstrahiertes Ambiente eingebunden.
An einzelnen Stationen erarbeiten sich die Kinder die Themen eigenstÀndig und spielerisch.
Die 6 c der Lilli-Martius-Schule beteiligte sich mit Bildern zur Fragestellung: „Was finde ich gut an mir?“

Ein Projekt zur Empathieförderung im Kesselhaus des AnscharparkgelÀndes

Empathie befÀhigt den Menschen die Emotionen, Gedanken oder Absichten eines anderen zu erkennen. Sie ist grundlegend im sozialen Umgang miteinander.

Mit der Konzeption des Kinderausstellungsprojekts „Ich bin
 Du bist
“ hat sich das Kieler KinderkulturbĂŒro die Förderung dieser EmpathiefĂ€higkeit zum Ziel gesetzt.

Empathie ist eine wirksame und stabile Basis zur PrÀvention von physischer und psychischer Gewalt. Sie befÀhigt mit Mut und StÀrke aktiv zu werden wenn Mitmenschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden.

Die Ausstellung und das begleitende Programm fördern gezielt die StĂ€rkung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Hierdurch werden die Kinder ermutigt und darin unterstĂŒtzt fĂŒr Werte einzustehen, Ängste zu ĂŒberwinden und mutig zu handeln. Spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger wird zur Eigenwahrnehmung angeregt, sowie zur Akzeptanz des Anderen mit dessen individuellen FĂ€higkeiten und Grenzen.

Gefördert wird das Ausstellungsprojekt durch den Lokalen Aktionsplan Kiel Nord im Rahmen des Bundesprogrammes "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN". Kooperationspartner sind der Kunstverein Haus 8 und die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig Holstein.

Das bisher ungenutze Kesselhaus im Anscharpark, Kiel Wik, bietet ein außergewöhnliches Setting fĂŒr dieses Projekt, mit dem das Kieler KinderkulturbĂŒro zum ersten Mal eine Kinder- und Jugendausstellung fĂŒr einen Ort außerhalb eines Museums konzipierte.

Das Angebot fĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Klassen 4 bis 6 versteht sich als philosophisches Projekt und dient der Bewusstseinsbildung. Es will grundsĂ€tzlich dazu anregen sich im Erkennen, Benennen, Verstehen und Nutzen von eigenen GefĂŒhlen und den GefĂŒhlen anderer zu ĂŒben. Dabei werden innere Einstellungen und Werturteile hinterfragt. Es wird herausgearbeitet, wie diese nachhaltig den zwischenmenschlichen Umgang miteinander beeinflussen. Ziele der Ausstellung sind es, sich selbst und anderen Menschen mit ihren verschiedenen Wahrnehmungen, Denkweisen, GefĂŒhlen und Verhaltensweisen, Empathie, WertschĂ€tzung und Toleranz entgegenzubringen.

Der vorbereitete, gestaltete Raum als einladende Lernlandschaft spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Themenbereiche befinden sich in angedeuteten Raumsituationen, bestehend aus einer gestalteten Wand und Objekten. Zum Teil sind die dazugehörigen GegenstĂ€nde real, redesignt, entfremdet, vergrĂ¶ĂŸert oder verzerrt. Manche ObjekÂŹte sind direkt auf die Wand gezeichnet.

WĂ€hrend des Besuchs werden die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in Kleingruppen eingeteilt. Sie erhalten an den einzelnen StatioÂŹnen der Ausstellung Aufgaben, die sie in Abstimmung miteinander gemeinsam lösen. Sie können ihre Gestik, Mimik und Stimme ausprobieren, mutige Menschen kennenlernen und Ideen entwickeln, wie man seiner Angst begegnet und Neues wagt. An einer Station werden die Kinder eingeladen, ihre persönlichen Erfahrungen mit einem mutigen Menschen oder mutigem Handeln aus ihrem Umfeld aufzuschreiben. So wird das Kesselhaus am Ende des Projektes mit den Beschreibungen 1000 mutiger Menschen und Taten gefĂŒllt sein. Das Ausstellungsprojekt teilt sich in zwei zeitliche Abschnitte. Nach dem Durchlaufen der verschiedenen Stationen setzen sich die Kinder zum einen im darstellenden Spiel und zum anderen durch das Erstellen einer Collage mit dem Thema Mut und Angst auseinander. Angeleitet werden sie dabei von der TheaterpĂ€dagogin Imke Strank und dem SozialpĂ€dagogen Gert Hölzner. Mit einer kleinen Übung zur gegenseitigen WertschĂ€tzung in der Tasche verabschiedet sich die Klasse dann nach einem erlebnisreichen Vormittag. Lehrerinnen und Lehrer erhalten Material der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung mit weiteren Anregungen und AchtsamkeitsĂŒbungen zur UnterstĂŒtzung, die Idee der Ausstellung im Unterricht weiter zu verfolgen.

Die Teilnahme ist kostenlos. Busfahrkarten aus dem Programm „Kinder zur Kultur und Wissenschaft“ der Landeshauptstadt Kiel können die LehrkrĂ€fte ebenfalls kostenlos bei der Anmeldung beantragen.

Die Kinder- und Jugendausstellung „Ich bin... Du bist... Eine Ausstellung zum Umgang miteinander“ findet bis zum 31. Oktober 2013 im Kesselhaus im Anscharpark, Heiligendammer Str. 15, 24106 Kiel statt. Eine Anmeldung ist erforderlich.

 

Katja Stark, 0173/972 0278,

info@kielerkinderkulturbuero.de

Kieler KinderkulturbĂŒro e.V.

"Fleisch - eine Frage der Haltung!"

Auf Einladung der Böll-Stiftungen Schleswig-Holstein und Berlin und des KDA der Nordkirche waren am 3. Juni ca. 60 TeilnehmerInnen mit Fachakteuren aus allen Prozessstufen der Fleischerzeugung, Verarbeitung und Vermarktung darĂŒber im GesprĂ€ch, wie gute Fleischerzeugung erreicht werden kann, die ökologische, ökonomische, soziale, gesundheitliche und tierethische Aspekte berĂŒcksichtigt – sowohl lokal als auch global.

Anlass war der Fleischatlas, den die Böll-Stiftung Berlin, der BUND und Le Monde diplomatique herausgegeben haben.

Wie groß das gesellschaftliche BedĂŒrfnis nach intensiven Diskussionen um Fragen der Fleischproduktion und des Fleischkonsums ist, spiegeln die Reaktionen auf den im Januar 2013 veröffentlichten Fleischatlas wider, der inzwischen mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren vergriffen ist.

Deutschland ist mit einer Produktionsmenge von 8 Mio. Tonnen jĂ€hrlich einer der grĂ¶ĂŸten Fleischproduzenten Europas. Schleswig-Holstein ist eines der wichtigsten BundeslĂ€nder zur Fleischerzeugung in Deutschland.

Barbara UnmĂŒĂŸig von der Böll-Stiftung Berlin hat wichtige globale Aspekte der Fleischerzeugung vorgestellt, die deutlich mit der regionalen Landwirtschaft verbunden sind. So muss z.B. die TierfĂŒtterung mit Sojaprodukten in Schleswig-Holstein im Zusammenhang mit dem Abbau des Regenwaldes in SĂŒdamerika betrachtet werden. Die zunehmende FlĂ€chennutzung fĂŒr den Sojaanbau konkurriert z.B. mit der dortigen Weidehaltung und drĂ€ngt als Folge den Regenwald immer stĂ€rker zurĂŒck. In Argentinien werden fĂŒr den Sojaanbau SavannenflĂ€chen umgebrochen mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, fĂŒr die regionale Artenvielfalt, die Fruchtbarkeit der Böden und die sozialen Strukturen.

Der Wunsch nach "guter Fleischerzeugung" eint Verbraucher, Landwirte, Vermarkter und zivilgesellschaftliche Akteure. Dennoch sind die Vorstellungen, wie genau eine „gute Fleischerzeugung“ aussieht, sehr kontrovers. Um eine gesellschaftlich verantwortliche und akzeptierte Fleischerzeugung voranzubringen, mĂŒssen die unterschiedlichen Vorstellungen von und Möglichkeiten fĂŒr „gute Fleischerzeugung“ intensiv diskutiert werden.

FĂŒr Robert Habeck, Minister fĂŒr Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und lĂ€ndliche RĂ€ume ist eine realistische Darstellung der regionalen Landwirtschaft, die weder romantisch verklĂ€rte Bilder vorgaukelt, noch Feindbilder von schlechter Tierhaltung in grĂ¶ĂŸeren landwirtschaftlichen Betrieben forciert, eine Voraussetzung fĂŒr einen gesellschaftlichen Diskurs, der alle Beteiligten auffordert QualitĂ€tsbegriffe fĂŒr Fleischerzeugung auf allen Prozessstufen zu entwickeln.

Die Umsetzung von QualitĂ€tsansprĂŒchen in der Praxis wurde sehr eindrĂŒcklich von zwei Schweinezuchtbetrieben aus Schleswig-Holstein dargestellt. Dietrich Pritschau, konventionell wirtschaftender Landwirt, aus Westerrade und Heiner Iversen, Bioland-Landwirt aus Munkbarup haben ihre unterschiedlichen Grundhaltungen zur Schweinezucht anhand ihrer Betriebe sehr einprĂ€gsam aufgezeigt.

 

Auch auf der Basis dieser vielfĂ€ltigen Informationen war die anschließende Diskussion an 10 Thementischen von der Schlachtung bis zum Verbraucherbewusstsein schnell sehr intensiv. Die Fachleute aus den verschiedenen Bereichen hatten ein hohes Interesse aneinander und daran, die verschiedenen Aspekte der Themen zu benennen.

Deutlich wurde in den GesprĂ€chen, dass die QualitĂ€tsdiskussion auf allen Stufen gefĂŒhrt werden muss. Die Diskussionen ĂŒber Tierwohl benötigen ebenso einen gesellschaftlichen Konsens, wie die Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen fĂŒr die Mitarbeiter, deutlicher in den Fokus gerĂŒckt werden mĂŒssen. Dies bezieht sich sowohl auf menschenwĂŒrdige Arbeits-, als auch reelle Wettbewerbsbedingungen. Die viel zitierte Verbraucherbildung, die ein wichtiges Instrument zu sein scheint, um die "Marktmacht" der Verbraucher zu stĂ€rken, ist deutlich abhĂ€ngig von der Transparenz, Einhaltung und Kontrolle der deklarierten QualitĂ€tskriterien und Standards in allen Prozessstufen. Ist dies glaubwĂŒrdig gegeben, dann kann in der Folge das schwindende Vertrauen in die Lebensmittelerzeugung wieder steigen.

Markt der Möglichkeiten: Schule öffne dich!

Dichtes GedrĂ€nge herrschte an den InfostĂ€nden im Foyer und im sechsten Stock, SchĂŒlerInnen waren in GesprĂ€che mit VertreterInnen von Vereinen aus dem Umfeld der Schule vertieft, in KlassenrĂ€umen wurden Filme gezeigt und danach mit FachakteurInnen diskutiert. Es war wieder „Markt der Möglichkeiten“ an der Ludwig-Erhard Schule in Kiel und das schon zum 9. Mal.

Dieses Jahr wurden wieder allerlei Themen aufgegriffen. Die Schwerpunkte verliefen von Globalisierungsfragen und nachhaltiger Entwicklung ĂŒber Lebensmittelverschwendung bis hin zum Nahostkonflikt.

Ebenfalls prĂ€sentierten sich Selbsthilfeeinrichtungen, die Wege aufzeigten, Krankheiten und SĂŒchten vorzubeugen;, Einrichtungen und VerbĂ€nde aus dem Bildungsbereich, die zu zivilgesellschaftlichem Engagement anregen sollten.

Bisher ist der „Markt der Möglichkeiten“ einmalig in Schleswig-Holstein, wir hoffen aber, dass er schon bald auch in anderen Schulen stattfinden wird.

PartnerInnen der Ludwig-Erhard Schule in diesem Projekt sind

die Selbsthilfekontaktstelle KIBIS Kiels, das BĂŒndnis Eine Welt und die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein.

Im nĂ€chsten Jahr feiert der „Markt der Möglichkeiten“ sein 10-jĂ€hriges JubilĂ€um, dies wird an dem neuen Standort der Ludwig-Erhard Schule geschehen und soll dort gefeiert werden.

Hier können wir nicht bleiben...

Durch Klick vergrĂ¶ĂŸern!

...dachten sich auch die Mitarbeiter der Heinrich-Böll Stiftung SH und beschlossen deshalb im Rahmen der Aktionswoche „Rette sich, wer kann!“, initiiert von „.ausgestrahlt“, in der Kieler Innenstadt einen praktikablen Beitrag fĂŒr eine Anti-AKW-Aktion zu leisten. Wir fungierten dabei als mobile Dekontaminationsteams, die durch eine Kleidungskombination aus weißen SchutzanzĂŒgen, Atemmasken sowie Hand- und Überschuhen dem BĂŒrger die Gefahr eines radioaktiven Strahlungsprozesses, ausgehend von einem Unfall  in einem Atomkraftwerk, veranschaulichen sollten.
Als Informationsmaterialen wurden Flyer und Plakate verwendet, welche an PassantInnenverteilt wurden, die sich fĂŒr die Thematik interessierten. Das Prestigeobjekt waren allerdings die als Iod-Tabletten getarnten Pfefferminzbonbons, Beipackzettel inbegriffen, deren Ambivalenz darin besteht, dass man sie vor einem SuperGAU einnehmen soll.
Als zusĂ€tzliche Maßnahme wurden die im Parkzustand befindlichen motorisierten IndividualverkehrstrĂ€ger mit Karteikarten, die die Aufschrift trugen „Hier können Sie nicht bleiben!“, bestĂŒckt. Ausgehend von einem erheblichen Störfall im AKW Brokdorf, der große Mengen von RadioaktivitĂ€t in einem Radius von etwa 170 Kilometern freisetzen und folglich auch die gesamte Stadt Kiel kontaminieren wĂŒrde, sind diese Symbol fĂŒr eine notwendig werdende unmittelbare Evakuierung.
Resultat dieser Aktion waren unterschiedlichste Reaktionen, teilweise kontrĂ€rer QualitĂ€t, vonseiten der Bevölkerung. Unsere Zielsetzung, ein Bewusstsein fĂŒr die immerwĂ€hrende Gefahr und Unberechenbarkeit von Atomkraftwerken zu schaffen und eine Konfrontationsebene aufzubauen, die sich auf Fragestellungen ĂŒber die Folgen eines Störfalls im AKW Brokdorf stĂŒtzt, erachten wir jedoch als gelungen.

Auf PartnerInnensuche im Wahlkampf

Ulrich Schippels und Surya StĂŒlpe von der Fraktion DIE LINKE beim GesprĂ€ch

Bildung fĂŒr Nachhaltige Entwicklung

In den letzten Jahren ist in Schleswig-Holstein ein landesweites Netzwerk von Organisationen und Einrichtungen entstanden, die im Bereich der Bildung fĂŒr Nachhaltige Entwicklung (BNE) engagiert sind. Diese haben sich Mitte MĂ€rz dieses Jahres offiziell als „Landesarbeitsgemeinschaft Bildung fĂŒr Nachhaltigkeit SH“ konstituiert. Die Heinrich-Böll-Stiftung gehört dazu. Gemeinsam nutzen wir den Landtagswahlkampf, um unsere Anliegen in die Diskussion zu bringen, BNE zu stĂ€rken und mit VertreterInnen der Landtagsparteien GesprĂ€che zu fĂŒhren. Die Ergebnisse dieser GesprĂ€chsrunden prĂ€sentieren wir fortlaufend hier!

Hörbilder aus Belarus

Foto: Barbara Thieme

Das Leben nach Tschernobyl

Die Hörbilder der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein sollen authentische Einblicke in Lebenssituationen aus dem Dorf Bartalameevka und der Stadt Oktjarsbkij in Belarus zeigen, die noch heute in dramatischer Weise von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl geprÀgt sind. Das audio-visuelle Projekt beinhaltet Fotografien und Interviews.

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