Was ist Qualität in der Schulversorgung?
Manchmal ist »Sattwerden« in der Schule schon eine ganze Menge, immer dann, wenn Schulen keine ausreichende Mittagsverpflegung anbieten. Angesichts knapper Kassen und im Spannungsfeld unterschiedlichster Erwartungen wird Schulverpflegung schnell zum Reizwort. Eine geschmackvolle und gesundheitsförderliche Schulverpflegung ist eine lohnende und dringend erforderliche Investition in die Gesundheit und die Ernährungsbildung der heranwachsenden Generation. Darüber hinaus fördert eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Schulverpflegung die Lebenskompetenz, wirkt positiv auf die regionale Lebensmittelproduktion und ein verantwortungsbewusstes Naturverständnis.
Die Veranstaltung bietet unter anderem Informationen zu Qualitätsstandards und Finanzierung, präsentiert verschiedene gute Beispiele aus der Praxis, motiviert, über neue Wege nachzudenken und Anregungen für eine nachhaltige Schulverpflegung geben.

Ernährung als Klassenfrage?
In Deutschland hat die Armut in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Stärker als im allgemeinen Trend ist die Armut von Kindern gestiegen. Sie wurde lange Zeit nicht als ein eigenständiges Problem angesehen. Das hat sich erst in dem Maße geändert, wie die gravierenden langfristigen Folgen der Armut im Kindesalter in den Blickpunkt geraten sind. Kinder, die in Armut aufwachsen, tragen z.B. bis ins Erwachsenenalter hinein ein größeres Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen. So steht z.B. das Bewegungs- und Ernährungsverhalten im Zusammenhang mit dem sozialen Status.
Die veränderte Situationen an Schulen durch die Ausweitung der Unterrichtszeiten, veränderte Familienkonstellationen mit erwerbstätigen Müttern und Vätern verändern den Essalltag von Familien. Die Verpflegung durch Kindertageseinrichtungen und Schulen nimmt zu. Damit gibt es die Anforderung an Schulen sich mit Ernährungsfragen zu beschäftigen. Dies betrifft sowohl die Fragen nach der Qualität, als auch die Sicherstellung, dass alle Heranwachsenden an der Verpflegung teilhaben können.
Die Ernährung der Kinder als Aufgabe der Gesellschaft
Noch nie haben Menschen so viel über Ernährung gewusst. Und doch sind unsere heutigen Essensgewohnheiten reichlich zweifelhaft: zu einseitig, zu fett und insgesamt zu viel, dabei zu wenig Frisches - und zusammen mit Bewegungsmangel ist das eine ziemlich ungesunde Mischung. Wissen allein reicht offenbar nicht aus. Gutes Essverhalten hat viel mit Vorbildern und Esskultur zu tun, überall dort, wo wir gemeinsam leben, lernen und arbeiten.
Unser Ernährungsverhalten und unsere Ernährungsmuster manifestieren sich in der Regel bereits im Kindesalter. Schulen und Kindertagesstätten beeinflussen nicht nur das Lern- und Sozialverhalten der Kinder und Jugendlichen, sondern sie haben auch eine große Bedeutung für deren spätere gesundheitliche Entwicklung und den Erwerb von Lebensführungs- und Lebensgestaltungkompetenz. Ansätze zur Förderung gelingen insbesondere in sozialen Settings, wie Schulen und Kindertagesstätten durch die Ermöglichung von situiertem und anwendungsorientiertem Lernen. Mit dem Besuch von Kindertageseinrichtungen der unter 3-jährigen Kinder und der Ausweitung des Ganztagsschulangebots kommt der Gestaltung des Lebensraums Schule eine besondere Aktualität zu.
Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein hat in Kooperation mit dem IQSH und dem Institut für Ernährungs- und Verbraucherbildung der Uni Flensburg am 17.2.2007 die Fachtagung "Alles Geschmackssache - Die Ernährung der Kinder als Aufgabe der Gesellschaft" durchgeführt. (Aus dem Vorwort von Rosemarie Wendorff)