Digitale Bildungsreise Ukraine

Veranstaltungsbild

Für diesen Juli hatten wir eine Bildungsreise per Zug in die Westukraine geplant. Lemberg, Uzhgorod, Ivano-Frankiwsk, Czernowitz und Kiew sollten unsere Stationen sein. Aufgrund der Corona-Pandemie sind die ukrainischen Grenzen für Tourist*innen geschlossen. Wir laden daher am 8. Juli alle Interessierten ein, sich für drei Stunden via Zoom auf eine virtuelle Reise zu begeben.

Warum die Ukraine?
Die Bilder der Majdan-Proteste 2014 sind uns noch in Erinnerung, der Krieg im Ostteil des Landes ist aus den Schlagzeilen geraten. Die ukrainische Perspektive und das Kennenlernen der Leute in diesem Land kommt neben der geostrategischen Perspektive zu kurz. Wir wollen mit diesem Nachmittag einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Land, seine Geschichte und die Menschen uns etwas näher zu bringen.

Seit der Unabhängigkeitserklärung von der Sowjetunion 1991 gilt die Ukraine als gespaltenes Land. Ein Teil der Bevölkerung fühlt sich europäisch und sieht die Zukunft der eigenen Gesellschaft in der Integration in eine europäische Staatenfamilie. Andere sehen sich näher mit Russland verbunden. Im Februar 2014 kam es zu einer blutigen Zerreißprobe. Seit dem ist im Osten des Landes Krieg und die Krim ist unter russischer Kontrolle.

In der Westukraine hat man den Sturz des Präsidenten Wiktor Janukowytsch 2014 befürwortet. Die Mehrheit hat Ukrainisch als Muttersprache und Europa ist für viele sehr nah. Der Krieg im Osten und die damit einhergehende Binnenflucht hat eine große Welle der Solidarität mit den Geflüchteten und der Armee zur Folge. Mittlerweile ist allerdings Ernüchterung eingetreten und vielen geht der gesellschaftliche Wandel nicht schnell genug. 2019 wurde der Schauspieler Selensky zum Präsidenten gewählt und seine Partei mit vielen Politik-Neulingen mit einer absoluten Mehrheit im Parlament ausgestattet.

Wir möchten auf unserer virtuellen Reise Menschen begegnen, die uns Einblicke in ihr Leben geben können: Wie lebt es sich in einem Land, in dem Krieg herrscht? Auf wen und was basieren die Hoffnungen der Menschen? Mit welcher Geschichtsschreibung identifiziert man sich?

Mit politischen Akteur*innen wollen wir unter anderen diese Fragen erörtern: Inwieweit hat auch hier der globale Trend zum Nationalismus und zum Populismus Einzug gehalten? Was ist im Februar 2014 auf dem Maidan passiert? Wer hat die Toten zu verantworten? Welchen Weg aus der Krise kann man skizzieren?

Programm für Mittwoch, den 8. Juli 2020
16:00 Einchecken und Kennenlernen der Reisegruppe, Reiseleitung: Julian Gröger

16:20 Abfahrt nach Lemberg als Zentrum der Westukraine, Einstieg in die Geschichte des Landes

16:40 Weiterfahrt nach Transkarpatien, nach Uzhgorod, Treffen mit Ivanna Chupak, Kulturmanagerin und Aktivistin: Bedeutung der Majdan-Proteste 2014 für die Zivilgesellschaft und Auswirkungen auf das Leben in der Ukraine

17:25 Kaffeepause in einem Café an dem Fluß Uzh

17:40 Ankunft in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, ehemaliges Mekka der deutschsprachigen jüdischen Literaturszene (Paul Celan, Rose Ausländer u.a.), virtuelle Stadtführung mit Kulturmanagerin Ludmila Rogowa

18:20 Weiterfahrt mit dem Zug in den Norden nach Kiew, Treffen mit dem Leiter der Heinrich Böll Stiftung Ukraine in Kiew Sergej Sumlenny: Die Ukraine politisch 6 Jahre nach dem Majdan-Umsturz und 1 Jahr Selenskij als Präsident.

Reisen bildet und somit sind unsere Bildungsreisen ein wichtiger Bestandteil der politischen Bildungsarbeit. Wir wollen auch unser Bild von den Herausforderungen und Chancen in diesen Regionen schärfen und unsere Netzwerke pflegen.

Ein stabiler Internetzugang ist deshalb erforderlich, Kamera und Mikrofon können die Erfahrung zusätzlich aufwerten.

Neugierig? Anmelden an: veranstaltung@boell-sh.de

Nach der Anmeldung senden wir Ihnen Informationen zur Einwahl und zum Ablauf zu.

Wir erheben keine Teilnahmegebühr und bitten stattdessen um eine Spende, die wir an die Moderator*innen und Referent*innen weiterleiten. Diese haben aufgrund der aktuellen Situation Umsatzeinbußen. Gerne möchten wir eine finanzielle Unterstützung leisten.